Druckschrift 
10 (1851) Der Kerker von Edinburg
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22

Tuchs,so viele hundert Meilen weit von der Heimath wurdeder schottische Schleier Euer Gnaden Herz erwärmen."

Du irrtest nicht," erwiederte der Herzog.Ich kenne denvollen Werth des jungfräulichen Haarschmucks; und MacCallummore's Herz muß erst so kalt fein als der Tod es machenkann, wenn derZAnblick des schottischen Schleiers es nicht mehrerwärmt. GehZnun, und sorge dafür, Dich zu Hause findenzu lassen, wenn ich nach Dir sende."

O gewiß, Herr," sagte fie;ich habe auch ganz und garkeine Lust in dieser großen Wildniß von schwarzen Häusernumherzulaufcn, und mich nach Neuigkeiten umzusehen.Sollten aber Euer Gnaden so gütig sein, meinetwegen miteinem Vornehmern als Sie selbst zu sprechen, es ist viel-leicht unhöflich von mir, dies zu sagen, so bitte ich EuerGnaden nur zu bedenken, daß das doch nimmermehr ein sogroßer Unterschied sein kann, als zwischen der armen JeanieDeans von St. Leonard's und dem Herzog von Argyle, undsich deshalb nicht von der ersten -arten Antwort zurückschreckenzu lassen."

Ich pflege mir eben nicht viel aus -arten Antworten zumachen," sagte der Herzog lachend.Hoffe jedoch nicht zuviel von dem, was ich versprochen. Ich werde mein bestesthun, allein die Herzen der Könige sind in Gottes Hand."

Nach einer ehrerbietigen Verbeugung zog Jeanie sich zu-rück; und der Kammerdiener des Herzogs führte sie zu ihrerMiethkutsche mit einer Ehrfurcht, die vermuthlich wenigerihrer demüthigcn Erscheinung, als der langen Unterredunggalt, mit welcher sein Herr sie beehrt hat.