Druckschrift 
4 (1851) Das Kloster
Entstehung
Seite
139
Einzelbild herunterladen
 

139

Grafen von Murray überbrachte. Im nächsten Augenblick er-scholl in dem Geschwader das Wort halt! und auf den schwerenHuftritt von so viel hundert Pferden erfolgte plötzlich Stille.Der Befehl ward ausgegeben, daß die Truppe hier ein Stunderuhen, essen und füttern sollte» Dem Krämer ward Schutz zu-gesagt und ein Packpferd überlassen. Zugleich aber erhielt er dieWeisung, sich zum Troß zu verfügen ein Befehl, dem er un-gern gehorchte, indem er Halberten mit dem Ausdruck tieferGemüthsbewegung die Hand zum Abschied schüttelte.

Der Erbe von Glendearg ward nach einer erhöhten Stelle desBodens hingeführt. Hier, wo es trockner war, als auf dem üb-rigen Moor, war ein Tischtuch auf den Boden gebreitet und umdasselbe saßen die Führer der Schaar bei einem, im Berhällniß zuihrem Rang eben so ärmlichen Mahl, wie das, an welchem kurzvorher Halbert Theil genommen hatte. Murray stand auf, alsder Jüngling sich näherte, und trat ihm einen Schritt entgegen.

Dieser berühmte Mann hatte in seinem Acußercn, wie inseinem Inneren viele von den bewunderungswürdigen Eigen-schaften seines Vaters, Jakob's V. Hätte der Flecken der Unehe-lichkeit nicht auf seiner Geburt gehaftet, so möchte er den schottischenThron mit eben so viel Ehre besessen hoben, wie irgend Einer vomStewartischen Stamm. Allein während die Geschichte seine hohenGaben und Manches, was fürstlich, ja selbst königlich in seinemThun war, anerkennen muß, kann sie nicht vergessen, daß derEhrgeiz ihn weiter führte, als sich mit Ehre und Treue vertrugDer Tapferste unter den Tapferen, schön von Gestalt und Gesicht,geschickt in Behandlung der wichtigsten Geschäfte, in Gewinnungder Schwankenden, in Ueberwältigung entschloßner Gegner, er-langte und verdiente er die höchste Stelle im Königreich. Alleiner erlag der Versuchung; er mißbrauchte die Gelegenheiten,welche seiner Schwester Unglück und Unklughcit ihm darbot, und