26
guten Eigenschaften auch eine sehr gute Meinung von sich selberund hatte keck und naseweis wie er war, gar keine Lust, sich vonirgend Jemanden in Schatten stellen zu lassen. Mit der unver-schämten Vertraulichkeit, welche solche Leute für Lebensart halten,fuhr er dem Ritter in seine schönsten Reden eben so gcwiffen-und erbarmungslos, wie er seinen Spieß durch ein mit Goldverziertes Wams gestoßen haben würde.
Herr Piercie Shafton, ein Mann von Stand und hoherGeburt, ließ sich keineswegs diese Vertraulichkeit gefallen und gabentweder dem Naseweis zu erkennen, daß er ihn nicht beachte,oder er fertigte ihn in einer Weise ab, daß man seine Gering-schätzung gegen den rohen Spießgesellen sah, welcher sich heraus-nahm, mit ihm auf dem Fuß der Gleichheit zu verkehren.
Der Müller schwieg. Seine Unterhaltung pflegte sich haupt-sächlich um seine Klapvcr und um sein Gebührenmaß zu drehen,und er hatte nicht Lust, in Gegenwart von Christie mit seinemRcichthum zu prahlen, eben so wenig wie sich in das Gesprächeines englischen Ritters zu mischen.
Ein kleines Beispiel von der Unterhaltung möchte hier nichtam Unrechten Orte sein, wäre es auch nur, um jungen Damenzu zeigen, welche schöne Sachen ihnen dadurch entgehen, daß siein einer Zeit leben, wo der Euphuismus aus der Mode ist.
„Schenket mir Glauben, schönstes Fräulein," sprach derRitter, „daß die Bildung unserer englischen Hofleute der Art ist,daß, sintemal dieselben über die Maßen die platte und bäurischeRedeweise unserer Vorfahren verfeinert haben, welche, ich kannwohl sagen, mehr in den Mund bäurischer Schreier bei einemMaispicl, als in den Mund eines feinen Hofmanncs auf einemBall paßte, daß, sage ich, ich es für unaussprechlich und unsäglichunmöglich halte, daß die, so uns in diesem Lustgarten von Witzund Höflichkeit kommen mögen, dieselbe ändern werden. Venus