Druckschrift 
4 (1851) Das Kloster
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

202

diesem Gewässer rannte er hinauf, ohne sich umzusehen, undmachte nicht eher Halt, als bis er die Quelle erreichte.

Hier stille stehend, warf er einen finstern, verstörten Blickringsumher. Vor ihm erhob sich ein mächtiger Fels, aus dessenSpalte eine Steineiche gewachsen war, deren grüne Zweige überder unten entspringenden Quelle rauschten. Die Berge zu beidenSeiten waren so hoch urd traten so nahe zusammen, daß nur,wenn die Sonne im Mittagspunkt stand und nur im hohenSommer, ihre Strahlen den Boden der Kluft erreichten, aufwelchem er stand. Jetzt war cs Sommer und Mittag, und dasungewohnte Sonnenlicht spielte im klaren Quell.

Es ist die Zeit und die Stunde," sprach Halbert,undjetzt jetzt könnte ich bald weiser werden, als Edward mit allseiner Mühe. Maria sollte sehen, ob er allein verdient, befragtzu werden, und bei ihr zu sitzen und sich über sie zu beugen,während sic liest und jedes Wort und jeden Buchstaben anzudeutcn.Und sie hat mich lieber als ihn das weiß ich denn sie istvon edlem Blut und verachtet Ofenhockcrei und Feigheit. Undsteh' ich nicht selber hier, wie ein Ofenhocker und so feig wie einPfaff? Warum sollt' ich mich fürchten, diese Gestalt diesenSchemen zu rufen? Schon ein Mal Hab' ich die Erscheinungertragen, warum nicht noch ein Mal? Was kann sie mir thun?Bin ich nicht ein Mann mit Mark und Knochen, und Hab' ichnicht meines Vaters Schwert an der Seite? Klopft mein Herz,sträubt sich mein Haar empor bei dem Gedanken, einen buntenSchatten aufzurufen wie kann ich dann wagen, einer SchaarSüdländer die Stirn zu bieten? Bei der Seele des ersten Glen-dinning, ich will den Zauber versuchen!"

Er schleuderte den Halbstiefel von seinem rechten Fuß, nahmeine feste Stellung an, zog das Schwert und blickte rings umher,seine ganze Entschlossenheit zusammennehmend. Dann verbeugte