Druckschrift 
4 (1851) Das Kloster
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen
 

2

»

Die Oertlichkeiten von Melrose paßten zum Plan der Geschichte.Die Trümmer selber bieten einen glänzenden Schauplatz für einezu schildernde tragische Begebenheit, nicht minder die Nachbar-schaft des schönen Stromes mit seinen Nebengewässcrn, fließenddurch ein Land, in welchem manch' heiße Schlacht geschlagenworden, welches so reich ist an geschichtlichen Erinnerungen undwelches fast unmittelbar vor den Blicken des Verfassers lag,während er seine Schilderungen entwarf. Auf dem gegenüber-liegenden Ufer des Tweed erblickt man die Ueberreste ehemaligerEinzäunungen, umgeben von wilden Feigenbäumen und stattli-chen Eschen, bezeichnend die Stelle der Gärten und Fluren einesDorfes, von welchem Nichts mehr übrig ist, als die Hütte einesFischers und Fährmanns. Die Spuren der Wohnungen undselbst der Kirche sind kaum nachzuweisen, wenn man nicht anOrt und Stelle sucht; die Einwohner haben sich allmählig nachder blühenderen Stadt Galashicls gezogen, welche sich zweiMeilen von da erhoben hat. Dagegen hat das abergläubischeAlter die einsamen Baumgänge mit luftigen Wesen bevölkert.Lange hieß cs von dem verfallenen und öden Kirchhof von Bold-sidc, daß die Feen auf demselben ihr Wesen trieben, und siehtman den tiefen, breiten Tweed sich um das steile Ufer schlängeln,auf welchem die ursprünglich als Gehäge der Fluren gepflanztenBaume jetzt zerstreuten Gruppen bilden, so verwirklicht sich dieVorstellung, die man sich von dem Tummelplatz Oberons undder Königin Mab macht. Hier giebt es Abende, wo es demBeschauer mit Vater Chauccr bedünken möchte, daß

-Die Königin der Fee'n

Mit Harf und Pfeif' und Symphonie

Wird oftmals hier geseh'n."

Ein anderer, noch gewöhnlicherer Zufluchtsort des Elfenge-schlechts (wenn man der Sage trauen darf) ist die Schlucht des