109
Ein gewaltiger Schnee machte seine Reise für mehr als zehnLage unmöglich. Als die Straßen wieder etwas gangbar wurden,erhielt man die Nachricht von dem Rückzuge des Ritters nachSchottland; dann erfuhr man, daß er die Granzen verlassen hätte,und sich gegen Glasgow zurückzöge; dann, daß der Herzog vonCumberland Carlislc belagere. Seine Armee schnitt folglich Wa-verley jede Möglichkeit ab, in dieser Richtung nach Schottland zugelangen. An der östlichen Küste rückte Marschall Wade mit einemstarken Corps gegen Edinburgh vor, und längs der ganzen Gränzewaren Abtheilungen von Miliz, Freiwilligen und Parteigängernunter den Waffen, die Insurrektion zu unterdrücken, und solcheNachzügler der Hochlandarmee aufzufangen, die noch in Englandzurückgeblieben sein möchten. Die Uebergabe von Carlisle, unddie Strenge, mit welcher die rebellische Garnison behandelt wu^de,gab bald noch einen Grund mehr dagegen, eine einsame und hoff-nungslose Reise durch ein feindliches Land und eine zahlreiche Ar-mee zu wagen, und das nur, um einer Sache, die rettungslosverloren schien, den Beistand eines einzelnen Armes zu bringen.
In dieser einsamen und verlassenen Lage, ohne den Vorthcilder Gesellschaft und Unterhaltung Gebildeter, siel unserem Heldenoft ein, was Oberst Talbot ihm gesagt hatte. Eine noch bedrücken-dere Erinnerung störte seinen Schlaf— der Blick und die Bewe-gung des sterbenden Gardiner. Aufrichtig hegte er die Hoffnung,wenn die selten eintreffende Post Nachrichten von Gefechten ver-schiedenen Erfolges brachte, daß es nie wieder sein Loos sein möchte,in einem Bürgerkriege das Schwert zu ziehen. Dann wendetenseine Gedanken sich wieder auf Fergus muthmaßlichen Tod, auf dieverlassene Lage Flora's, und mit noch zärtlicherer Erinnerung aufdie Rosa's, welcher der innige Enthusiasmus mangelte, der fürFlora das Unglück heiligte. Diesen Träumereien konnte er sichungestört durch Fragen oder Unterbrechung hingcben, und auf