Druckschrift 
2 (1859)
Entstehung
Seite
620
Einzelbild herunterladen
 

620

Verwaltung der Ballei Franken und er bekleidete seitdem das Amtund die Würde eines Landkomthurs von Franken volle dreißig Jahrehindurch, stets der treuste, einsichtvollste Rathgeber des damaligenOberhaupts des Ordens. Nun er zum Hochmeister erkoren war,lag in seinem Geiste ein reicher Schatz vielfältiger Lebenserfahrun-gen, denn die schweren. Schicksale, die im Verlauf dieser Zeit seinenOrden getroffen, hatten auch ihn oftmals aufs tiefste erschüttert;aber sie waren für ihn zugleich eine lehrreiche Schule für das Lebengewesen.

So trat er jetzt nach vielfachen, oft schweren Prüfungen aufseiner Lebensbahn mit froher und festbegründeter Zuversicht auf dasfernere gedeihliche Fortbestehen des Ordens als Hochmeister an dessenSpitze und die Zahl seiner Mitglieder vermehrte sich nun auch schonin den Jahren 1835 und 1836 in erfreulicher Weise durch die Auf-nahme mehrer hervorragender Männer von hohem Adel, wie desFürsten Franz Georg von Lobkowitz u. a., wobei wir auch jetzt nochdie altgebräuchlichen Feierlichkeiten beobachtet und die anwesendenAufschwörer, Schildträger und Polsterträger mit dem Ordens-Mantel,Kreuz, Degen und Sporen die ihnen obliegenden Pflichten und Ge-bräuche verrichten sehen ').

Und nun gab im nächsten Jahre -(1837) auch Se. MajestätKaiser Ferdinand I, dem erhabenen Beispiel seines kaiserlichen Va-ters folgend, dem Orden einen Beweis seines hohen Wohlwollens,indem er durch ein an den Hoch- und Deutschmeister erlassenesallerhöchstes Handschreiben.vom 30. Juni die erwähnten Großkapitel-Schlüsse vom I. 1834 in Betreff der innern und äußern Gestal-tung des Ordens im Wesentlichen und nur mit einigen nothwendigbefundenen Modifikationen genehmigte °).

Es bedurfte jedoch noch einiger Zeit, um alles das, was bis-her über die veränderte Gestaltung des Ordens so vielfach berathenund reiflich beschlossen war, in feste, gesetzliche Formen zu fassen.Es entstand in solcher Weise das neue, noch jetzt gesetzlich geltende

st Bei der Aufnahme des Fürsten von Lobkowitz im I. 1835 war einerder drei Aufschwörer der Staatskanzler Fürst von Metternich. Eine ausführ-liche Beschreibung der Gebräuche bei der Aufschwörung, dem Ritterschlag undder Einkleidung eines in den D. Orden auszunehmenden Novizen (aus einerHandschrift entnommen) findet man in Meiner« und Spittlers Götting.Histor. Magazin Bd. VI. S. 513-521.

st Mittheilung aus Wien. Holzapfel a. a. O.