Druckschrift 
2 (1859)
Entstehung
Seite
96
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amt zwei Gebietiger zu erwählen, den einen als den tüchtigsten zubezeichnen und beide dann den übrigen Landkomthuren des DeutschenGebiets in einem Kapitel als Erwählte anzuzeigen, um sie demHochmeister zur Bestätigung vorzuschlagen. Mehrmals hatten dieLandkomthure diesen Vorgang der Sache ziemlich unbeachtet gelassen.Als indeß die Franken diese Wahlform sich als ein besonderes Vor-recht anmaßtcn, widersprachen dem die übrigen Landkomthure, be-hauptend, daß ihnen eine gleiche Theilnahme mit vollem Recht zu-siehe. Schon bei den Wahlen Adelmanns von Adelmannsfelden undDietrichs von Clee und in mehren Kapiteln, zuletzt auch unterWalther von Cronberg hatte man öfter versucht, den Streit durcheine gütliche Verhandlung auszugleichen; allein es war nie zn einerbestimmten Entscheidung gekommen, weil bald die eine, bald die an-dere Partei sich auf keine gründliche Erörterung einlassen wollte.Man beschloß auch jetzt nach langer Verhandlung im General-Ka-pitel zu Speier: es solle zunächst als vor allem nothwendig zurWahl eines Meisters geschritten werden und die Entscheidung dervorliegenden Streitfrage einem künftigen Kapitel Vorbehalten bleiben,„jedoch jedem Theil an seinen Rechten, altem Herbringen und Ge-rechtigkeiten unvorgreiflich." Jeden Falls solle der neugewählteDeutschmeister verpflichtet sein, als Oberhaupt des Ordens undordentlicher Richter der Parteien die Verhandlung der Sache wiedervorzunehmen, um sie auf dem Wege Rechtens oder durch gütlichenVertrag zur Entscheidung zu bringen, sei es in einem künftigen Ka-pitel oder anderwärts zu gelegener Zeit

Man schritt hierauf zur Meisterwahl. Der Landkomthur vonFranken Eberhard von Ehingen leitete die dabei üblichen Förmlich-keiten. Nachdem man ordnungsmäßig die dreizehn Wahlherren er-koren, sie an ihre Pflichten erinnert und jeder die eidliche Zusiche-rung gegeben hatte, daß sie den von ihnen einstimmig oder durchStimmenmehrheit Gewählten als ihr Oberhaupt anerkennen undihm nach Laut des Ordensbuchs gebührende Ehre, Dienst und Ge-horsam erweisen wollten* *), sielen am 17. April die Wahlstimmen

') Kapitel-Schluß zu Speier am 15. April 1543 im R.-Archiv zu Stutt-gart p. 68—70. ES werden darin die vielfältigen Versuche aufgeführt, um dieStreitfrage zu lösen. So weit ausgemacht, wie Holzapfel S. 102 die Ent-scheidung diesem Kapitel zuschreibt, war die Sache noch nicht.

*) Venator 259. Schreiben des Kapitels an den Kaiser, dat. Montagnach Jubilate 1543, wo der Hergang der Wahl erzählt wird.