Zweiter gesang.
96 .
Ein hoher seidner Baldachin, gehaltenBon schmucken Dienern hoch an goldnen Speeren,Verhindert daß die drückenden GewaltenDer heißen Sonnenstrahlen ihn beschweren.
Vorn auf den, Boot die Musiker entfaltenEin wirr Concert, abscheulich anzuhörcn,
Das, ohne Harmonie, durch SchauerklängeVermehren soll das festliche Gepränge.
97 .
Nicht minder prächtig zieh'n die PortugiesenVon ihrer schmucken Flotte jetzt entgegenMelinde's Herrn, den festlich zu begrüßenHeld Gama wählte stolze, tapfre Degen.
Ein spanisch Kleid sah schön man ihn umschließen,Und seines rothen Mantels Falten legenSich kunstreich um ihn — traun, Venedigs SeideDient diesem Volk als hohe Augenweide!
98 .
Mit Gold ist seiner Stiefel Schaft verzieret,
Daß schier im Sonnenstrahl das Aug' geblendet;Die Ferse hält ein Sporn von Gold umschnüret,Das hierzu selten Jemand wohl verwendet;Dergleichen goldne Borten, fein gcführetRings als Besatz, mit hoher Kunst vollendet;
Ein goldncs Schwert trägt er nach wälscher Sitte,Stolz weht die Feder von des Hutes Mitte.