301
Philipp. Wird es Dir so schwer, den Drang meines Herzensauf diese Forderung zu ertragen? — Man veranstaltet Zusammen-künfte unter uns? Es ist weit gekommen! — Und diese? —(Aeußerst zärtlich.) Wird sie meinem Herzen einen guten Tag ge-währen?
Ludwig. O ich — bin nicht falsch. Ich nicht.
Philipp. — Ludwig, ich habe Dich herzlich gefragt, und aufDeinem Gesicht ist nicht ein Zug von Herzlichkeit — nicht eingutes Gefühl hast Du für mich, das mir eine willige Versicherunggewährte.
Ludwig. Das ist übertrieben! Ich bin im Gegentheileherzlich geneigt zur Versöhnung. Du bist es nicht!
Philipp. So? — Ich dachte nicht, daß wir so ständen!
Ludwig. Wie nimmst Du nun das wieder auf? ES istmit Dir nicht zu leben.
Philipp. Auf Heftigkeit war ich gefaßt. Vorwürfe er-wartete ich wohl, aber Kälte? — Kälte thut mir weh! — wohl,argwohne von mir — verkenne mich — kränke mich — meinHerz ändert sich nicht! Wir sind Brüder — Du hast das ver-gessen — Aussöhnung kann unter uns nicht fiattstnden!
Ludwig. Recht fein, recht listig abgesprungen.
Philipp. Es war der Segen unsers Vaters über uns:Seyd einig!
Ludwig (ungeduldig). Mein Gott, das sind wir ja auch!
Philipp (tritt einige Schritte zurück, geht die Länge des Zimmersherab).
Ludwig. Moralische Vorlesungen kann ich nicht halten, aberich bin darum doch ein guter Kerl.
Philipp (wendet sich mit Wärme zu Ludwig). Entfernungkann Deinen Freund kälten, Eigenntz ihn verscheuchen; Weiber-