Druckschrift 
2,1 (1826)
Entstehung
Seite
143
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Osminmoxyd. 143

verliert sowohl den Geruch als die Farbe. Man würdedaraus auf eine niedrigere Oxydationsstufe, die eine blaueFarbe hat, schliefsen können. Das schwarze Pulver, wel-ches mit Zink niedergeschlagen wird, ist, nach Vauque-lins Versuchen, nicht reines Metall. Destillirt man es,so erhält man zuerst Osmiumoxyd, und darauf ein blauesSublimat, welches im zurückfallenden Lichte grün erscheintund endlich bleibt i vom Gewichte des Niederschlagesin der Retorte zurück. Es ist nun ein schwarzes Pul-ver, welches mit dem Polirstahl einen kupferrothen Strichgiebt, wie Guatimala Indigo, und welches von einer hö-heren Temperatur beim Ausschliefsen der Luft nicht mehrverändert wird und Osmium zu sein scheint. Was dasblaue Sublimat sei, hat man noch nicht untersucht.

Osmium, welches einer höheren Temperatur ausge-setzt gewesen ist, wird nicht mehr aufgelöst, weder vonder Salpetersäure, noch vom Königswasser; aber das soeben gefällte Metall löst sich etwas darin auf, obgleichnur sehr langsam. Wenn Osmium dagegen, bei einerhöheren Temperatur, der Luft ausgesetzt wird, so oxy-dirt es sich und verfliegt mit einem eigenthümlichen, sehrunangenehmen Geruch. Destillirt man es mit Salpeter, sowie ich es vorher angeführt habe, so erhält man das Oxydin der Vorlage und im Halse der Retorte, die so kalt,wie es nur möglich ist, gehalten werden müssen. Es istweifs, glänzend, krystallinisch, durchsichtig und sehr flüch-tig; die Dämpfe desselben reizen die Augen, die Naseund den Schlund sehr stark, und sind sehr erstickend.Es hat einen, dem des Chlorschwefels nicht unähnlichenGeruch. Es ist leicht schmelzbar, wie Wachs, und ver-pufft auf glühenden Kohlen. Es wird leicht und in gro-fser Menge in Wasser aufgelöst; die Auflösung ist farblosund kann überdestillirt werden. Sie hat einen süfslichen,und wenn sie concentrirt war, einen ätzenden und bren-nenden Geschmack, und den Geruch des Oxyds, röthetnicht die Lackmustinctur, und macht, wenn sie concen-trirt ist, einen schwarzen Fleck auf der Haut, der nichtabgewaschen werden kann. Von Galläpfeltinctur erhält