Schlangengift. 627
Von derselben Natur sollen auch die Schuppen derSchlangen und Eidechsen sein.
Schlangengift. Die Vipern sind mit zwei sehr schar-fen Zähnen versehen, die im Innern einen der Länge nachverlaufenden feinen Kanal haben, welcher sich an der in-neren Seite der Zahnspitze öffnet und an der Zahnwurzelmit einem kleinen Behälter in Verbindung steht, der 3 bis4 Tropfen einer Flüssigkeit enthalten kann. Das in die-sem Behälter sich ansammelnde Gift wird von eignen Drü-sen abgesondert, und aus ersterem durch den Zahn aus-geprefst, so wie die Schlange beifst. Fontana hat zwardie Flüssigkeit, worin das Gift enthalten ist, untersucht,ohne aber dadurch die Natur seiner Bestandtheile oderdie eigentliche giftige Materie ausmitteln zu können. Dasvon ihm untersuchte Gift war von Vipera Redi.
Es ist eine gelbe, schleimige Flüssigkeit, von der Con-sistenz von Oel, ohne Geruch und bestimmten Geschmack.Es ist weder alkalisch, noch sauer, noch sonst scharf, underregt auf der Zunge nur ein schwach zusammenziehendesGefühl. In der Luft trocknet es leicht zu einer durch-sichtigen, gelben, gesprungenen Masse, welche noch die gif-tige Eigenschaft besitzt, die auch kaum in kürzerer Zeit alsnach Jahresfrist verschwindet. Es läfst sich nicht entzündenund brennt nicht mit Flamme. Die frische giftige Flüs-sigkeit sinkt in Wasser unter, und läfst sich damit vermi-schen ; im Kochen gerinnt sie nicht. Der eingetrockneteRückstand ist in Alkohol unlöslich. In Wasser quillt eranfänglich auf, erweicht, und löst sich dann beim Erwär-men auf.
Das Schlangengift sowohl, als auch ein grofser Theilthierischer Gifte, wie z. B. die, welche die Wasserscheu, diePocken und andere ansteckende Krankheiten verursachen,haben die Eigenthiimlichkeit, dafs nur äufserst geringe Men-gen davon erforderlich sind, um heftige Wirkungen her-vorzubringen. Das Schlangengift hat aufserdem die Eigen-schaft, ohne Nachtheil verschluckt werden zu können, wäh-rend es dagegen, in Wunden, oder in eine Ader einge-spritzt, gefährliche Wirkungen und den Tod verursacht.
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