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4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
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Harn.

3 ) Milchsäure. Diese Säure ist ein allgemeines Pro-duct der freiwilligen Zerstörung thierischer Stoffe inner-halb des Körpers; sie ist daher in allen Flüssigkeiten des-selben enthalten. Sie bildet sich in der gröfsten Menge inden Muskeln, wird vom Blute durch dessen Alkali gesät-tigt und in den Nieren der Thiere mit saurem Harn, wie-der davon geschieden. Diese Säure ist es hauptsächlich,welche die freie Säure des Harns ausmacht, und obgleichderselbe saures phosphofsaures Ammoniak und sauren phos-phorsauren Kalk enthält, so sind doch diese nur dadurchentstanden, dafs sich die Milchsäure mit der Phosphor-säure in die Basen getheilt hat.

Bei einer von mir im Jahre 1807 angestellten Unter-suchung über den Harn, fand ich darin diese Säure *),welche man bis dahin nicht unter die Bestandtheile die-ser Flüssigkeit aufgenommen hatte, und da mehrere Che-miker ziemlich ungegründeterweise angenommen hatten,diese Säure sei Essigsäure, so stellte ich eine neue Prü-fung damit an, deren Resultate zeigten, dafs die Milch-säure nicht für Essigsäure gehalten werden könne **).Auf die chemische Beschaffenheit dieser Säure werde ichbei Abhandlung der Milch zurückkommen, und will hiernur bemerken, dafs sie eine nicht flüchtige, verbrennlicheSäure ist, welche mit Bleioxyd ein lösliches Salz bildet.In letzterer Hinsicht gleicht sie der Essigsäure, unterschei-det sich aber von dieser dadurch, dafs sie selbst in einerAtmosphäre von Ammoniakgas nicht flüchtig ist, in wel-chem Falle sich, wenn sie Essigsäure wäre, deren Flüch-tigkeit durch eine thierische Materie verhindert wäre, dasso flüchtige Salz, essigsaures Ammoniak, bilden und diethierische Materie Zurückbleiben müfste.

Die vielen im Harn enthaltenen Materien machen dieAbscheidung der Milchsäure daraus in reinem Zustandeunmöglich; allein es ist nicht schwer, sie von anderen Sub-stanzen so befreit zu erhalten, dafs sie wiederzuerkennenist. Bei meinen ersten Versuchen hierüber wurde der Rück-

*) Föreläsningar i D/urkem/en. Stockholm, rßot). II. p. 287-

**) Ibid. p. 430.