Cholsäure. 189
vreul’s Bestimmung, noch 20 Proc. Oelsäure. Ihre Auf-lösung in Alkohol rölhete stark das Lackmuspapier.
5 ) Cholsäure *). Diese früher nicht bekannt gewe-sene Säure wurde folgendermafsen erhalten: Nachdem dasim vorhergehenden Artikel erwähnte Schwefelblei mit Al-kohol ausgezogen, das Gemenge von Gallenharz und Mar-garinsäure daraus durch Wasser niedergeschlagen und derAlkohol davon abdestillirt worden ist, bleibt die Cholsäurein der in der Retorte zurückbleibenden Flüssigkeit aufge-löst, und schiefst daraus in weifsen Nadeln an, wenn mandiese Flüssigkeit noch kochendheifs von dem gefällten Harzabgiefst. Aber auch schon während der Destillation setztsich eine Portion Cholsäure in das Harz ab, aus dem siesich nachher durch oft wiederholtes Auskochen mit Was-ser ausziehen läfst; nach hinreichendem Verdunsten schiefstdann die Säure beim Erkalten daraus an. — Die Chol-säure krystallisirt in feinen Nadeln, die sich, zwischenLöschpapier geprefst, zu einem schwach seidenglänzendenBlatte zusammendrücken lassen. Sie schmeckt zugleich siilsund scharf. Beim Erhitzen schmilzt sie zuerst zu einembraunen, ölartigen Liquidum, bläht sich dann auf, riechtanfangs wie gebranntes Horn und nachher etwas aroma-tisch, verbrennt mit leuchtender rufsender Flamme undläfst ein wenig Kohle zurück, die mit Hinterlassung einerSpur von Asche leicht verbrennt. Bei der trocknen De-stillation gibt diese Säure viel von einem braunen, dick-flüssigen, brenzlichen Oele und eine blalsgelbe ammo-niakalische Flüssigkeit. Sie enthält also Stickstoff in ihrerZusammensetzung. In kaltem Wasser ist sie sehr weniglöslich, etwas mehr in kochendheifsem. Diese Auflösungist farblos und röthet stark Lackmuspapier. In Alkoholdagegen ist sie leicht löslich. Von Schwefelsäure wird sieaulgelöst und daraus wieder durch Wasser gefällt. In derWärme wird diese Auflösung gelbbraun und setzt einenbräunlichen Niederschlag ab. Wasser schlägt dieselbe nach-
') Deshalb nicht G al 1 en s ä u r e, um eine Verwechselung mit Gal-lussäure zu vermeiden.