144 Magensaft.
Versuche angestellt hatten, so oft lind hartnäckig denMagensaft für eine neutrale Flüssigkeit erklärten. Car-minati’s Versuch gab wohl den Leitfaden hierzu, alleindie vollständige Auflösung dieses Räthsels war Gmelinund Tiedemann Vorbehalten. Dieselben stellten einelange Reihe von Forschungen über den Verdauungsprozefsan, bei denen Alles angewandt wurde, was uns gegen-wärtig Anatomie und Chemie bei Erforschung der Pro-zesse darbieten können, und welche unstreitig die voll-ständigste physiologische Untersuchung ausmachen, womitje die Chemie der lebenden thierischen Prozesse bereichertworden ist *). Auch sie hatten von ihrer Seite, noch eheihnen Prout’s Entdeckung bekannt geworden war, undauf einem ganz anderen Wege, den Gehalt von freier Salz-säure im Magensaft gefunden. Zu dieser Entdeckung wur-den sie nämlich dadurch geführt, dafs sie, um bei fasten-den Thieren die innere Magenwand zur gröfseren Abson-derung von Magensaft zu reizen, diese Thiere, unter an-deren unlöslichen Mineralstoffen, rein gewaschene Kalk-steinstücke verschlucken liefsen, und nun fanden, dafs derMagensaft nicht sauer war, dagegen aber ein zerfliefsli-ches Salz enthielt, welches beim Glühen nicht zerstörtwurde und sich als Chlorcalcium auswies. Die allgemei-nen Resultate ihrer zahlreichen und bis in die kleinstenEinzelnheiten ausgeführten Untersuchungen sind: dafs, solange der Magen leer ist, in demselben nicht mehr Flüs-sigkeit secernirt wird, als zur Benetzung seiner innerenSeite nöthig ist; in diesem Zustande ist der Magen zu-sammengezogen. Läfst man aber fastende Thiere Kiesel-steine, oder andere fremde, den Magen mechanisch rei-zende Körper verschlucken, so wird etwas mehr abgeson-dert, aber bei weitem noch nicht so viel, als nach derVerschluckung von Nahrungsmitteln, wobei die Absonde-rung des Magensaftes sehr bedeutend zunimmt. Die in
einem
*) Die Verdauung, nach Versuchen von F. Tiedemann undL. Gmelin, Professoren an der Universität zu Heidelberg.Heidelb. und Leipz. 1826. 2 Thle. in 4 *