Druckschrift 
4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

106

Die Lungen und (las Allimen.

schiebt; offen, so bekommt ein solches Individuum einkrankes, bleifarbenes Ansehen mit schwarzblauen Lippen,was davon herkommt, dafs nun sein Blut niemals voll-kommen arteriell wird; auch sterben die meisten schon inder Kindheit.

Das Athmen der Amphibien hat mit dem der Säuge-thiere und Vögel grofse Aehnlichkeit; sie athmen ebenfallsin Lungen. Die Frösche pressen die Luft in die Lungenund aus denselben vermittelst eines breiten Muskels imUnterkiefer; nach Durchschneidung desselben können sienicht mehr athmen. Das Blut der Amphibien verändertdie Luft gerade so wie das der vorhergehenden Thiere,aber sie können länger in einer Atmosphäre leben, diekeinen Sauerstoff enthält. Frösche und Schildkröten kön-nen eine Zeit lang im luftleeren Baum leben, sterben aberdoch, wenn diefs zu lange dauert.

Die Fische, die also nicht in der Luft leben, sind mitAthmungswerkzeugen versehen, die in ihrer Wirkungsartmit den beim Fötus der Säugethiere Analogie haben. Ihrvenöses Blut wird zu einem eigenen Organ, den Kiemen,geführt, welche aus fünf unter jedem Kiefer liegenden,bogenförmigen, franzenartigen Organen bestehen, in de-nen das venöse Blut durch die Einwirkung der im Was-ser absorbirten atmosphärischen Luft geröthet wird. DasAthmen der Fische ist mit vorzüglicher Genauigkeit vonv. Humboldt und Provencal untersucht worden, welchefanden, dafs die Fische den Sauerstoffgasgehalt im Was-ser in Kohlensäuregas verwandeln, dafs aber dabei mehrSauerstoffgas verschwindet, als vonKohlensäure ersetzt wird;auch glaubten sie bestimmt zu finden, dafs Stickstoff ver-schwinde. Sie fanden, dafs das Wasser der Seine, mit wel-chem die Versuche angestellt wurden, von 0,0266 0,0287seines Volumens atmosphärischer Luft enthielt, in welcherwiederum der Sauerstoffgasgehalt von 0,306 0,314 vomVolumen der Luft, d. h. 0,0086 vom Volumen des Was-sers betrug. Das Kohlensäuregas im Wasser betrug 0,06(zuweilen selbst 0,11) von dem durch Kochen erhaltenenLuftvolumen, und also nur T £ s von dem des Wassers. Die