Druckschrift 
4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
Seite
84
Einzelbild herunterladen
 

84

Adern nnd Blulunilauf.

noch feiner vertheilt als die vorigen, scheint kein gefärbtesBlut mehr zu führen, da der Durchmesser dieser Gefäfsezum Eindringen der Blntkiigelchen zu klein ist. Diese Ge-fälse verschwinden zuletzt in den festen Theilen des Kör-pers, wo sie durch Zuführung von Material zur Ileproduc-tion diesen wichtigen Prozeis unterhalten, c) Noch andereendigen sich, entweder in den sogenannten serösen Häuten,wo sie ein dünnes Blutwasser absondern, wie in den Ge-hirn-Ventrikeln, in der das Herz umgebenden sackartigenHaut, dem Herzbeutel, in der Brusthöhle um die Lungen,in der Bauchhöhle um die Gedärme u. s. w., oder auchbilden sie die sogenannten Secretions- und Excretions-Or-gane. In diesen Organen verzweigen sielt die Gefäfse zuimmer kleineren Zweigen, und endigen damit, dafs sie aufder innei'en Seite der feinsten Verzweigungen der Aus-führungsgänge eine Flüssigkeit ergiefsen, welche mit demBlute, das in das Organ eindrang, nicht mehr die geringsteAehnlichkeit hat. Die in den Secretionsorganen vorgehen-den chemischen Prozesse erregen unsere Bewunderung fastnoch mehr als die übrigen im lebenden Körper vorgehen-den ; denn die Wirkung ist so offenbar chemisch, die Ver-änderung so entschieden, und dennoch sehen wir keinchemisches Reagenz sie hervorbringen. Die Anatomen ha-ben gezeigt, dafs wenn man Quecksilber in die zu einem Se-cretionsorgan führende Arterie einprefst, dieses theils durchdie aus dem Organe zurückkommenden Venen, theils durchalle die feineren Capillargefäfse des Organs geht und wie-der aus den gröfseren Stämmen hervorkommt, welche imlebenden Zustande die secernirt werdende Flüssigkeit füh-ren. Alles ist hier Fortsetzung derselben Gefälse, die sichnur unaufhörlich bis zu einem gewissen Grade verzweigenund dann wieder von Neuem sich zu vereinigen anfangen;es läist sich aber nicht entdecken, dafs eine von dem Bluteverschiedene Flüssigkeit eingemischt werde, und der ganzeProzefs geht in diesen feinen Gefäfsverzweigungen mit derFlüssigkeit vor, die hineingeführt wurde. In den Speichel-drüsen z. B. entsteht daraus Speichel, in der Leber Galle,in den Nieren Urin. Es bleibt uns nur noch übrig, diese