Druckschrift 
6 (1859) Das Erbtheil des Vaters Die Aussteuer
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

28

Anton. Mehr Weichheit als Charakter.

Sekretär. Nun gut, Du hast vielleicht mehr Stolz alsLiebe, und wie viel geht Dirs bester? Was darfst Du mehr fürDeine Liebe hoffen, als ich für die meinige?

Anton. Für meine Liebe wie?

Sekretär. Du liebst, ich weiß es.

Anton. (Pause.) Nun ja, ich liebe des Präsidenten Dar-ners Tochter, sie liebt mich, es ist wahr.

Sekretär. Des Präsidenten Tochter? Armer Anton!

Anton. Ich bin reich, sage ich Dir denn arm, wie ichbin, kämpfe ich mit allen Hindernissen, die Reichthnm und Vor-nrtheil einem ehrlichen Manne entgegen setzen können; ich kämpfe,und noch habe ich keinen Fuß Erde verloren.

Sekretär. Das glaube ich wohl, bis jetzt hast Du nurmit dem Mädchen zu thun.

Anton. Aber heute werde ich mit dem Vater zu thunhaben.

Sekretär. Mit dem Präsidenten, mit dem feuerfestenManne, der alles haßt, was den Namen Wallmann trägt, weilDein Vater seinen Bruder um den Besitz Deiner Mutter brachte?Und dem willst Du Deine Liebe zu seiner Tochter entdecken? denMuth hättest Du?

Anton. Ich muß ihn haben; längeres Geheimniß wäreUnredlichkeit.

Sekretär. Und was kannst Du hoffen?

Anton. Alles von der Geradheit.

Sekretär. Der reiche, stolze, alte Mann.

Anton. Ich werde ihn überwinden.

Sekretär. Anton, so wie Du vor ihm stehst, steht auchlebendig das Bild vor ihm, daß um Deines Vaters Willen seinunglücklicher Bruder in der Welt herum irrt, Gott weiß wo.