Druckschrift 
3 (1859) Dienstpflicht Der Mann von Wort
Entstehung
Seite
86
Einzelbild herunterladen
 

86

Julie. Daß Sie mir übel begegnen würben, wenn Sie esmerkten.

Mad. Lestang. Ist es möglich, seine Scelenkräfte anfzn-opfcrn in der unsinnigen Liebe für ein so gemeines Geschöpf!

Julie. Ein gemeines Geschöpf? Das bin ich nicht. Ichweiß nicht wie ich eigentlich beiße, aber ich fühle was ich bin. Ichkann meine Augen Aufschlägen und jedermann ins Angesicht sehen.Ja ja dem bösen Blick, den Sie ans mich werfen, kann ichgetrost entgegen sehn, und das ist besser, als wenn ich auch so einzorniges Gesicht machen könnte.

Mad. Lestang. Unsinnige!

Julie. Es kann kommen, daß ich es werde. Sie kränkenmein Herz, Sie mißhandeln meine Ehre. Und warum bin ichweniger Werth als Sie? Ach ich würde nicht einen guten Mannverzweifeln lasten, wie Sie es können. Aber Ihre feine Bildungküßt das alles zu, und gestattet Ihnen, einem armen Mädchenschlecht zu begegnen. (Wallnau tritt ein.) Bloß weil sie keinenVater hat, der sich ihrer annimmt. O Vater! Vater! Wenn Dues wüßtest, wie der Uebermuth hier mit mir umgeht, Du würdestmich zu Deiner Magd machen, wenn ich nicht an Deinem Herzenliegen darf. Gott vergebe Ihnen Adieu ich will hinaus indie Welt! (Sie geht. An der Thür reißt Wallnau sie in die Arme,mid küßt sie.)

Julie (macht sich los ohne ihn zu betrachten). Lassen Sie mich!