Fragen von vilf streitigen Rcligionsartikeln. 177
unsichtbar; hier ist ihr Fundament: Anrufung bekennt Gottheitund Allmächtigkeit.
Und bedenke doch, so du sprichst: 8. kotrs, or:r pro uro!(Heiliger Petrus, bitte für mich!), was rufest du an? Ist auchPetrus ein solch Wesen, das dich erhöret, dein Herz und Seuf-zen sehen kann? Nun mußt du bekennen, daß St. Petrus eineKreatur ist. Warum sprichst du ihn an als allmächtig, so erdich nicht höret, und dein Herz nichc stehet? und in Summa:dieses Argument ist fest zu halten: Invoeatio 8ino tido «8t in.-rni».Hass iilvoentio non stabst tsutimoniuin ex versto I>c-.iLrAv est iiumi.8. (Die Anrufung ohne Glauben ist vergeb-lich. Diese Anrufung hat kein Zeugnis aus dem Worte Gottesfür sich; folglich ist sie vergeblich!)
Die sechste Frage:
Ob ein Fegfeuer sei, in welchem die Gläubigen nach diesem Le-ben gereinigct werden?
Antwort.
Das Fegfeuer ist aus den Heiden, Platone und Andern,item, aus der Erscheinung der Geister/ durch irrige Menschen indie Kirchen gebracht, und ist wahr, daß Geister umher laufenund sich oft sehen lassen, wie wir nicht allein alte geschriebeneExcmpel lesen, davon die Heiden sprechen:
8>mt rrliguid nianv8, letstum non omni«, stnit*);sondern wir wissen viele Excmpel, daß bekannte und glaubwür-dige Leute Geister gesehen und gehört haben. So habe ich selbstetliche gesehen und gehört. Dagegen aber haben wir die Regelin Gottes Wort: ^oir a iuortui8 vsritrrtein**). Man soll den-selbigen Gespenstere keinen Glauben geben, und sind oft nur Teu-fel; das beweisen ihre Reden.
Und obgleich ein Fegfeuer wäre, so ist doch die Messe dazunicht eingesetzt, den Selen aus dem Fegseuec zu Helsen; dieses istöffentlicher Mißbrauch, denn das heilige Sacrament ist zum Trostder Lebendigen, die in der Nießung den Glauben damit starken,eingesetzt, nicht den Gestorbenen damit zu helfen.
So ist auch diese Meinung in der ersten Kirche nicht ge-wesen; so findet man in der Propheten und Apostel Schrift nicht,
*) Die abgeschiedenen Selen sind noch Etwas, der Tod endet nicht
Alles.
") Von den Lodte» keine Wahrheit.
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