Bon der Prädicanten zu Nordhausen Uneinigkeit rc. 140
Was nun Antonius hält, kann ich aus der zugeschicktenKlage nicht verstehen; ich will auch in seinen Worten nicht grü-beln, wiewohl dieses Erklärung bedarf, daß er spricht: „in Bei-sein der Werke." Denn wahrhaftiger Glaube ist nicht ohne Werkeim Herzen, ob sie gleich nicht Verdienst sind, vuusne siistillca-tioni», sondern folgen dem Glauben, und ist eine grobe Rede,so man spricht von dem bekehrten Mörder am Kreuz: Ec habenach der Bekehrung nicht gute Werke gehabt; denn Werke heißennicht allein äußerliche Thaten, sondern auch im Herzen Reue, An-rufung, guter Vorsatz. Danksagung, Geduld, welche Tugendensind Früchte des heiligen Geistes, und Regungen, vom heiligenGeist angezündet; dennoch haben sie diesen Namen Werk, wiealle Verständige wissen. Ich stelle aber diese und andere mehrReden in Antonii Klage zu seiner Erklärung, wiewohl ich besor-ge, es stecke die ^ntinomia dahinter.
Doch so Antonius nicht weiter, denn von der Proposition:gute Werke sind nöthig zur Seligkeit, streitet, und die Anderndiese Proposition fallen lassen, und weiter nicht Ursach geben mitder Entschuldigung, sollen sie billig forthin einträchtig sein, Gottzu Ehren und Aergerniß in den Kirchen zu verhüten; welcherTheil aber hiermit nicht zufrieden ist, der soll entsetzt werden.
Daß nun weiter Antonius vorgibt, neue Ordnung in seinerKirche zu machen und die Andern zu verdammen; hier wolle einehrbarer Rath und alle gottesfürchtige Bürger mit höchstem ErnstUngleichheit in der Lehre oder Cercmoniis verhüten, laut der LehrePauli: „Es sollen nicht Spaltungen unter euch sein!" Wahr-lich dieser Trotz Antonii machet mir eine große Bctrübniß, undlasse einen ehrbaren Rath, der auch ein Theil der christlichenKirche ist, befohlen sein, daß Antonius und Andere anzeigen,worinne sie Aenderung begehren, und werde dieses mit verstän-digen Leuten berathschlagct, und darnach zugleich einträchtiglich inallen Eueren Kirchen geändert.
Und ist hierin die hohe Nothdurst, einen Ernst zu erzeigen.Denn so Ungleichheit in Ceremoniis gemachet würde, und einTheil den Andern condemnirte, würde große Zwietracht in derStadt folgen; dieses Alles ist wohl zu erwägen. Endlich bitteich den allmächtigen Sohn Gottes, Jesum Christum, der sichgewißlich eine ewige Kirche im menschlichen Geschlechts sammelt,durchs Evangelium und nicht anders, Ec wolle Eure Kirchen,Stadt, Euch und die Euren gnädig bewahren und regieren, und