Druckschrift 
3 (1829)
Entstehung
Seite
56
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56 Relation des gehaltenen Gesprächs in Religionssachen

Sicherheit in den Leuten, und der rohe Pöbel werde desto frecherund muthwilliger, und Viele lernen und bekümmern sich weniger,was Sünde sei, und was für Unterschiede und Grade der Sün-den seien.

Hierauf antworten wir also: daß ein ganz großer Unter-schied ist zwischen den Dingen, so äußerliche Zucht belangen, undden hohen geistlichen Sachen des Gewissens, das wider GottesZorn kämpfen muß. Wir sagen auch, daß äußerliche Zucht ihreGebote und Erhaltung haben soll. Die Kirche soll die, so un-bußfertig und in offenbaren Lastern liegen, strafen durch den Bannund ernstliche Vermahnung der Prediger und Selsorger. Es sol-len auch die Kinder und Unverständigen zu bestimmter Zeit einengemeinen gewissen Unterricht der christlichen Lehre in allen Arti-keln hören, Gottes Gebot lernen und verhöret werden, was undwie sie glauben. Item, die so öffentlich in Sünden leben, sol-len gestraft werden, und insgemein sollen solche Alle, durch welt-licher Obrigkeit ernstliche Gebote und Strafen in Furcht undZwang gehalten werden; das sind die rechten Stücke, dadurchäußerliche Zucht kann erhalten werden.

Wiewohl aber unser Artikel zugleich nützlich ist, die Zuchtzu erhalten und auch den Gewissen zu helfen; zur Zucht dieneter; denn, dieweil wir die Privatabsolution behalten, so gehet einJeder zu seinem Pfarrherr oder Priester, durch welchen er magverhöret, unterrichtet oder gestraft werden, doch damit den got-Icsfürchtigcn und erschrockenen Gewissen nicht Stricke angelegt wer-den. Item, damit die Jrrthümer nicht gestärket werden, so ausder Erzählung hergekommen sind, lehren wir, daß man die Ge-wissen nicht beschweren soll durch solche Gebote, die da fordernaller oder etlicher Sünden Erzählung als nöthig.

Unser Gegentheil hat öffentlich gelehret, die Erzählung derSünden sei das Verdienst, darum man Vergebung erlange. Item,sie sei aus der Ursache von Nöthen, daß der Priester, so Beichtehöret, dem Beichtenden könne die Buße oder Strafe auflcgen;nun kann nichts Anderes, denn ewiger Zweifel folgen, so inan hält,daß die Erzählung ein nöthiges Ding sei, solcher Zweifel tilgetden Glauben. Solcher hohen geistlichen Sachen soll man vorallen Dingen in der Kirche fleißig Acht haben, darnach mag manzusehen, wie man äußerliche Zucht erhalte durch solche Wege, dieuns Gottes Wort zeiget und lehret.

Darum, wenn die Weisen so heftig von der Zucht disputi-ren, sollen sie auch sehen auf das andere Stück, welches höher