Druckschrift 
3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

218

welches die Schriftsteller, ohne ihr durchlauchtiges, hoch-gebornes und excellentes Zuthun, sich durch sich selbst,durch ihre nach langen, schweren und mühsamen Fleißendlich vollendeten Werke erworben haben würden, demersten dem besten Hunde Preis zu geben, der seineHütte unter dem Thron ihrer Weisheit, Gerechtigkeit,Dankbarkeit und Großmuth aufschlagt. Weil denn nunaber die Umstände so beschaffen sind, und eine Aenderungso bald nicht zu erwarten stehet, was bleibt dem Schrift-steller übrig? Soll er sich etwa bei dem aufklärenden,Tugend und Geschmack verbreitenden Nachdrucker alsBallenbinder verdingen? Besser stände er sich unstrei-tig, als bei der Schriftstellerei, wenn ohne diese auch nurimmer etwas zu bündeln und zu schnüren wäre. Odersoll er, anstatt die Blüthe seines Lebens und seinerKraft einem oder zwei vortrefflichen, vollendeten, dauern-den National-Werken aufopfern, jede Messe mit Alpha-beten von Mittelmäßigkeit oder Erbärmlichkeit beschicken?Denn nur die Engel Gabriel und Raphael sind ver-muthlich im Stande, das Vortreffliche in der Poesie,Philosophie, Geschichte, jedes halbe Jahr in so starkenBallen zu liefern, daß bei der Gefahr des Nachdrucksder Aufwand an Oehl, Holz und Schreibmaterialiendaran gewonnen werden mag. Da es nicht JedermannsSache ist, seine Ehre vor Welt und Nachwelt aufjeder Messe für ein Paar Louisd'or Trankgeld seil zubieten; so wird cs weit gerathener seyn, sich in dunklerStille zur geringsten Handarbeit, zum Abschreiben, zumAbclehren, ja, zum Graben selbst zu entschließen, alsauf Werke der Homere, der Sophokles, der Plato, der