514
Eypern und Rhodus nach Ephesus zu reisen, und viel-leicht auf diesem Umwege noch etwas von Anthien aus-zukundschaften. Mit geringem Vorrath versehen, kamer also in Sicilien an, und fand dort seinen erstenWirth, den Aegialeus, bereits gestorben. Nachdem erseinen Schatten das Todtenopfer gebracht und auf seinemGrabe bitterlich geweinet hatte, schifft' er sich wiederein, segelte Kreta vorbei, und kam nach Cypern. Hierhielt er sich nur wenige Tage auf, und verrichtete zuder Schutzgöttinn dieser Insel sein Gebet. Von dalichtet' er, und kam nach Rhodus, wo er in einer Her-berge nicht weit vom Hafen einkehrte. Als er nun sonahe bei Ephesus war, wacht' in ihm das Andenkenan alles sein Ungemach, an sein Vaterland, an seineAeltern, an Anthien und an seine Gefährten von neuemund noch stärker auf. „O weh über all mein Unglück!rief er endlich aus. Soll ich nun allein nach Ephesuszurück kehren, und ohne Anthien unter die Augen mei-ner Aeltern treten? Soll ich umsonst eine so langeReise unternommen haben? Werd' ich nicht unglaub-liche Dinge zu Hause erzählen, wenn ich keinen Zeugenmeiner ausgestandenen Leiden mit mir bringe? O dulde,Abrokomas! Bleibe so lange weg von Ephesus, bis duAnthiens Grab gefunden, ihre Asche beweint, und dasletzte Opfer der Zärtlichkeit ihr dargebracht haben wirst;und alsdann folge deine Seele der ihrigen nach!" Sosprach er, und durchschweifte ängstlich die Stadt, vollSehnsucht nach Anthien und nach Unterhalte.
Indessen hatten Leukon und Rhode, welche sich zuRhodus aufhielten, ein Geschenk im Tempel der Sonne