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2 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 1
Entstehung
Seite
447
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fügten sie küssend Lippen an Lippen, und jeder Ge-danke, jedes Gefühl wurde aus der Seele des Einenin die Seele des Andern durch Küsse gesendet. Sie,als sie seine Augen küßte, rief:O wie oft habt ihrmich betrübet! Den ersten Pfeil der Liebe habt ihr inmein Herz geschossen! Allein, ihr vormals so stolzen,nun aber so zärtlichen Augen habt mir auch hiernächstdie schönste Wohlthat erwiesen, ihr habet Liebe inAbrokomas Busen eingelassen. O, dafür küss ich euchnun tausend Mal, und gebiete meinen Augen, auf je-den eurer Winke zu achten. Ach! möchtet ihr immermich nur anschauen, und eurem Besitzer nie eine an-dere Schönheit verrathen. Den meinigen soll gewißnimmermehr ein Anderer schöner scheinen, als Abro-komas. Empfanget die Huldigung der Herzen, dieihr überwunden habet, und erhaltet sie in ewigem Ge-horsam." So schmeichelten die beiden Liebenden ein-ander, bis sie in Eins geschlungen allmählich zur Ruhesanken. Sie genossen die ersten Früchte der Liebe,und eiferten die ganze Nacht durch um die Wette, zuzeigen, welcher von Beiden der Zärtlichste wäre.

Der Genuß der süßesten Stunden, nach denen siesich so lange gesehnt, ließ sie am andern Morgen ver-gnügt und munter erwachen. Der Blick in ihr künfti-ges Leben stellt' ihnen nunmehr desselbe als einen be-ständigen Festtag voll Wohlleben dar; und sie verga-ßen ganz des Orakelspruches. Aber das Schicksal ver-gaß ihn so wenig, als die Gottheit, die ihn erthei-let hatte. Die Aeltern schickten sie indessen, nach demgefaßten Entschlüsse, aus der Stadt, damit sie fremde