433
Seufzt' er zu meinem Schmerz? Brach wohl dastrockene Aug' ihm?
Floß ein Thränchen der Reue? Bedauert' er seineGeliebte? 420
Ha! wo ist schändlicher was? Nie läßt die gewaltigeJuno,
Nie der allmächtige Vater dies ungerachet dahin gehn! —
Treue, du schmiedest Verrath! Du leugst, o himm-lische Wahrheit! —
Ausgeworsen vom Meer, in Hunger und Kummer undNacktheit
Nahm ich ihn auf, und hegt' und pflegt' ihn am thö-richten Busen. 425
Aus dem Rachen des Todes errettet' ich seine Gefährten,
Fischt' ihm aus dem Meer die Trümmer der Flottezusammen!
Wehe! mich geißelt die Wuth! Nun verkündet Apoll,nun verkündet
Lpciens Loos, nun bringt der Götterbote vom Himmel
Gar den grausen Befehl! Als hätten die seligenGötter 430
Wichtiger kein Geschäft, als sich um Troer zu kümmern.
Doch, ich halte dich nicht, noch bekämpf' ich die Gründeder Arglist.
Fleuch nach Italien! Fleuch! Durchkreuze nach Reichendie Meere!
Dennoch hoff' ich und hoffe, wenn fromme Götternoch walten,
Daß die Rache dich bald an Klippen werde zerschmet-tern. 435
28