2Icf)täefynte§ Kapitel.] 'SkX ^rit’cH’nöfcfjlüß. 279
lung, ober enblid) wegen feines Politiken Verhaltens währcnb jener3eit überhaupt firafred)tlih, polizeilich ober biSciplinarifh jur Serant*Wortung gezogen ober in feinen St)renrecf)ten beeinträchtigt werben fott.I>ie etwa bereits eingeteiteten Unterfudjungen biefer 2lrt follen, einfhliefjlid)ber UnterfucgungSfoflen, niebergefdjlagen werben. — S. 2Jt. ber Königoon beugen erflärt Sih bamit einoerftanben, bafj nach biefen ®runb* jfeigen aud; ginftdjttid) berjenigen Verbredfen unb Vergehen ber oben ge*backten 2lrt oerfal)ren werbe, weihe wäfjrenb jener 3ät in Sahfen gegen ,bie *j3crfon S. SR. beS Königs non ifkeugen ober gegen ben fßreufjifhen jStaat etwa begangen worben ftnb. — £>ie auö Sahfen entfernten unb ietwa noch in ?ßreu§ifcher #aft heftnblihen 'jßerfonen follen, foweit bieSnah ben fßreujjifhen ®efegen juläfftg iß, auS berfelben fofort entlaffenWerben.
2lrt. 20. <5. 2R. ber König non Sahfen erfennt baS unbefd)ranftejus reformandi S. SR. beS Königs non $reu§en in Setreff ber StifterSRcrfeburg, SRaumburg unb 3eig an, willigt in bie Aufhebung ber bisherber Uninerfität Seidig jugeftanbenen Sered)tigungen auf gewiffe Ganonicatean biefen Stiftern unb öerjihtet auf alle Diente unb Slnfprühe, weihe iber K. Säd)ftfd)en Oiegierung ober ber Uninerfität Beipjig auS ben Statutenber Stifter ober auS früheren Verträgen unb Gonoentionen, beren etwaentgegenftel;enbe Veftimmungen hiermit auSbrüdlich aufgehoben werben, ,jufteljen möchten. fDie Gntfhäbigung ber Uninerfität Seipjig für bie gänj* jliege Vcfeitigung ihrer Vejiehungen ju ben Stiftern, fowie ber jegigen j3ngaber ad dies muneris übernimmt bie K. Sädjftfdje Oiegierung unb imacht fuh anheifdjig, bie K. Cßreugifche Oiegierung gegen alle Gntfhä*bigungSanfprücge ber Uninerfität ober einzelner ghcultäten unb fßro*fefforen an berfelben zu nertreten. |
SIrt. 21. S. SR. ber König non Sahfen willigt in bie OluSpfarrung j1. beS bisher in bie Säcgftfhe $aro<hie Stengfih eingepfarrten $reugi*fchen gilialS SBerben; 2. beS bisher in bie Sächjtfche Varodne ©roß*®olsig eingepfarrten Vreujjifhen ftilialS 3ihf$en; 3. ber bisher in bieSächftfhe Oßarochie Quefig eingepfarrten tpreufjifdjen ®emeinbe Sböglen;
4. ber bisher in bie Sächjtfche Varocgie Vuügf eingepfarrten Vteußifhen®emeinbcn Könnterig, SERincfwig unb Vraubig; 5. ber bisher in bie Sä<h sjtfege $arod)ie $üd)au eingepfarrten tpreußifdjen ®emeinbc Soffen unb6. ber bisher in bie Säd)ftfd)e fparoegie Jgalwig eingepfarrten Oßreugifchen©emeinben Gollau unb Ijfunig — unb jwar ohne Gntfhäbigung non$reugifd)er Seite bergeftalt, baß bie non ben genannten Säd)fifd>en V“ 3rodjiett zu erhebenben GntfhäbigungS*9Infpnkge lebiglich non ber 5b. Säet) 3jtfcgen Otegierung übernommen werben.
2lrt. 22. Stifn^dt Wägrenb beS Krieges in Sachfen weggenommeneim StaatSeigenthume beftnblic^e ®egenftänbe, welche nach ben beftehenbenoölferrecgtlihen ®runbfägen nicht als Kriegsbeute anjufegen finb, nod)nicht jurüdgegeben fein feilten, werben S. SR. ber König non fßreußenSInorbnung treffen, baß beren 3 u rücfgabc alSbalb erfolgt. £>icrju ge*hören inSbefonbere bie auf ben StaatSeifenbahnen in Vefcglag genommenenBocomotiocn, Venber, SBagen unb Schienen, fowie bie auf ben König*liehen fpiittenwerfen bei greiberg weggenommenen Vorrätge an eblenSRetallen unb fonft oerfäuflicgen ffkobucten. £inftcgtlich iw legieren iftbei ber bariiber erforberlihen SluSeinanberfegung baoon auSjugehen, baßbaS barunter befinblidje SBerfbtei ber K. Säd)fifd)en Otegierung gegenGrftattung beS OBertheS beS barin enthaltenen SleieS jurüdgegeben wirb.
3lrt. 23. $ie Otatification beS gegenwärtigen Vertrages erfolgt bisfpätefienS ben 28. b. SJttS. unb 3al;reS.
3u Urtunb beffen :c. — Shlu§formeI.
3u biefem Verträge gehören jwei Olnneje, oon benen fth ber eineauf bie OJtobalitäten ber Uebergabe ber jfeftung Königftein, bie Olufbe*Wahrung Sähfifhen StaatSeigenthumS bafelbjl, bie Olbminberung berin Sahfen ftehenben preugifhen Gruppen k. , ber gweite fth auf bieUebertragung ber biplomatifhen Sertretung SahfenS auf bie preujjifheOtegierung bejieht. _
2)aS preugifhe 2BahIgefeg für ben OteicpStag beS OtorbbeutfhenSunbeS oom 15. Dctober 1866 ift mit wenigen 3tbweid)ungcn in allenSunbeSfiaaten angenommen worben. Seine widjtigften Seftimmungen finb:
§ 2. SBählbar ift jeber unbefholtene Staatsbürger eines ber jumSunbe jufammentretenben ®eutfhen Staaten, ber baS 25. SebenSjaprjuriidgelegt hat.
Otah § 3 finb oom SBählen auSgefhloffen: 1. unter Sormunbfhaftober Guratel ftel;enbe $erfonen; 2. in GoncurS oerfallene Oßerfonen wähtenbber 2)auer beSfelben; 3. Sllmofenempfänger.
Otah § 4 werben als befholten angefehen: Oßerfonen, weihe fthin j^olge rehtSfräftiger Grfenntniffe niht im Bollgenug ber bürgerlichenGhrenredjte beftnben.
§ 5. SBählbar jum Olbgeorbneten ift jeber OBaljlberechtigte, bereinem jum Sunbe gehörigen Staate feit minbeftenS brei fahren an*gehört hat.
Otah § 6 bebürfen Seamte feines Urlaubs.
Otah § 7 ift auf je 100,000 Seelen ein Otbgeorbneter ju wählen;einUeberfhuf oon minbeftenS 50,000 Seelen wirb oollen 100,000 Seelengleihgerehnet. — 3eber Olbgeorbnete ift in einem befonbern OBahlfreife juWählen.
9lrt. 9. SBer ein OBahlreht in einem OBahlbejirfe auSüben wifl,mu§ in bemfelben gur 3dt ber OBahl feinen SBohnfig haben. —barf nur an einem Orte wählen.
§ 11. ®ie OBahlhanblung ift öffentlich; bei berfelben ftnb ®e*meinbemitglieber gvtgugiehen, weld^e fein unmittelbares StaatSamt be*fleiben. 2)aS OBahlreht wirb in *}?erfon burh oerbedte, in eine OBahUutne niebergulegenbe Stimmsettel ohne Unterfhvift auSgeübt.
Otah § 12 ift bie 2Baf)l birect. Sic erfolgt burh abfolute Stimmen*mehrheit aller in einem OBahlfretfc abgegebenen Stimmen. SBirb biefelbeniht erreiht, fo ift unter ben jweiGanbibaten ju wählen, weihe bie meiftenStimmen erhalten haben. — 33ei Stintmengleihhed entfheibet baS BooS.
§ 13. Stelloertreter ber Olbgeorbneten ftnb nid)t ju wählen.
®ie SBapl ber 296 Olbgeorbncten erfolgte am 12. jfebruar 1867.Sluf bie alten preugifhen Eproüingen entfallen baoon 193, auf bie neuen43, auf baS Königreih Sahfen 23, beibe SOtedlenburg 6, öraunfhweig,Dlbenburg, Oberpeffen unb S.*9Beimar je 3, Koburg*®otha unb OOtei*ningen je 2, Oldenburg 1, beibe Oteufs, beibe Shwaigburg, Olnpalt unbbeibe Sippe je 2, OBalbed 1, Hamburg 3, Sremen 1 unb Siibed 1.
®er OteihStag würbe am 24. jfebruar in Serlin mit einer f. Jh ronsrebe eröffnet, nahm bie ®efd)äftSorbnung beS preugifhen Olbgeorbnetcn*haufeS an unb fegte fein Sureau wie folgt jufantmen:
a. Sorftanb. Dr, OOtartin Gbuarb Simfon, SBicepräftbcnt beSOlppellationSgerihtS in gratiffurt a. b. D., Oßräftbent; -£>ugo ürfi ju
241 ©ilfcn(5^roitif.
(Scnerarfirufenant t). ISoials-Jlßeg, jictoefencr öenerafgottoernettt tum^»«itnotier. — ®cr ©eneral oon SBoigtäsDtbeg, wögrenb beS Kriege« oon 1866 ®e*neraljtab«h f f bei ber Slrmee be« 8ßringen griebrid) Kart, ftanb bi« OOtitte September1867, too bie Olttfbebung be« ©eneral»©ouoerncment« in .pannooer erfolgte, an berSpige ber SBerwaltung in biefer neu einoerleibten fßrooing, unb man fagt, bagGgarafterfcjligfeit, ©harfblicf unb poiitifdier Saft ben ©eneral gan, befonber« jur31u«füüung be« oerantwortung«ooBen igoften« befähigten. Seine SKüitärlaufbafmeröffnete $oigt«=9 f if)eg 1829 al« Sieutcnant im 9. 3nfanterie=9tegiment; 1842 er*folgte feine ©rnennung jum feauptmann unb gleid^citig bie SSerfegung jurn grogen©eneraljtabe. SBäfjrcnb be« potnifdjen Olufftanbe« oon 1848 ftanb er at« DJiajorbeim Stabe be« Y. Otrmeecorp« unb feine gier entwicfeltc Sgätigfeit war nicht nurmilitärifcher, fonbern auh oft politifcger Otatur. 2Uit bem Otange eine« Dberftenflieg er fddieglid) jum ©h c f tc« ©eneralftabe« bei biefem ©orp« auf unb oerblieb inbiefer Stellung, bi« er 1855 in« KriegSntinifterium berufen warb. SDrei Sagrefpäter ging er al« ©eneralmajor unb ®arnifon«commanbeur nad) ber ©unbe«feftungSuyentburg unb 1863 würbe er jum ©enerallieutenant unb Dbcrbcfcgl«gaber berSunbe«garnifon in granffurt a. 5Dt. ernannt. 3m oorjägrigen Kriege gat er juben ©rfolgen ber ©rften preugifegen Olrmee ergeblicg» beigetragen unb gh al« tüchtigerStrategifer bemägrt. 3ln ben ißorbereitungen jur Seglaht bei Königgräg gatte erbefonberen Olntgeil, benn er erfdjien in ber Otacgt junt 3.3uli in fßerfon beim Königin ©itfegin, um bem fgrinjen griebrid) Karl bie ©rlattbnig jum Eingriff au«jumirfcn.
5Mltterj(5fjromf. 242
3n ©emeinfdjaft mit SOtoltfe nagm er an bem näcgtlicgcn Krieg«ratg beim Königtgeil unb überbradjtc hierauf bem igrinjen bie nötgigen ®i«poptioncn. Otah 0 Csfegloffenent grieben ju feiner (egten Stellung berufen, gat fth ber ©eneral o. SBoigtS*Otgeg burh feto 'Auftreten in hannooer auh oon Seiten ber ©egner ber Olnneyioneine goge perfönlihe Slhtung erworben. Seit ber ©infügrung oerfajfung«mägigerBuftänbc, weihe burh bie am 14. Sept. b. 3- erfolgte ©rnennung be« ©rafeno. Stolberg*2Bernigerobe jum Dberpräftbenten ber 'grooinj hannooer inaugurirtwürben, ijl 3Soigt«*0igeg in eine rein militärifhe Stellung al« commanbirettber©eneral be« X. Olrmeecorp« jurücfgetreten.
tprocfamining ber ftnoerfet6uttg bcs Sturfürltentßums /reifen. — Sie ’lkr*fünbigung be« ®epgergreifung«patent« fanb in Kaffel am 8. Dctober 1866 patt.Der ©ioilabminiprator o. OOtöller ocrla« bie wihtige ürfuttbe auf bem griebrih«*plage oon bem SBalcon be« fogenannten SRotgen Shloffe«. Dieben igm befanbenfth wägrenb be« 2lcte« ber ©cneralgouoerneur o. SBerber, ßanbratg Kaifer unbjaglrcihe Offiziere aller aBaffengattungen. 23or bem igalai« gatten ftd) bie günfteunb ©ilben mit igren gagnen unb auf ber Xriöüne reht« bie taffeier iMnncrgefang*Dcreine aufgeftellt; linf« waren bie 93egörbett poftirt unb ba« gierburh gcbilbetcSierecf umfdpog ba« 30. 3nfanterie*0teginient. Otah oollgogener aterfitnbigungwürbe bie preugifhe gagne mit bem 9lbter auf bent Shloffe aufgegigt unb 101Äanoncnfcgüffc, mit weldjen fth ba« ©locfengcläut oon allen Sgürnten oermifhte,