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Illustrirte Kriegs-Chronik : Gedenkbuch an den Feldzug von 1866 in Deutschland und Italien
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10 3)er Sfefipg in ©eßemid). [(Srftcs Sud).

Zur Slbria frei ju madfen unb gegütijtigte bager ein eoentuelleS ÄriegS»bünbnig äroifcf)en Vreugen unb 3talien. Ratten fid) bie in Streit gera»thenen ©taaten burd) einen längeren Ärieg mit wecgfelnben Grfolgengefd)wäd)t, fo wollte ber Äaifer ber ^ranjofen als ©cgiebSrichter ba»ZWifcgen treten unb alten Jgeilen baS ®efeg beS griebenS t>orfd)rei 6 en.3n biefer Verregnung gat er fid) ebenfo grünblich mic bei feinem Uteri»fanifegen Unternehmen getäufcht, unb mir motten eS it>m übertaffen, ober mit bent AuSgange ber Dinge wirtlich jufrieben ifi, ober nur guteSRiene zunt böfen Spiele macht. ®raf ViSmard aber gatte bei ihntfeinen 3 toecf unentgeltlich erteilt.

Vßägrenb biefer für bie 3 utunft arbeitete, rechtfertigte bie ®egenmartfeine Veforgniffe. Die preugifegen Vtachtgaher h a t* cn allcrbingS freie#anb, ftd) in Schleswig nad) ®efatlen einzuriegten unb feftzufegen, aud)hörte eS bie beutfege Veüölferung biefeS £erzogtt)umS gern, als ®eneratöon Vlanteuffel bie 3uficgerung ertheitte: eS merbe fein Dorf an Dänemarfjurücffatlen, er motte febe ff eben gug ßanbeS mit feinem Öeibe beden.®egen Auguftenburgifcge Umtriebe blieben firenge Vtagregeln aber hochnid)t auS unb machten einen um fo fchlitmneren Gtnbrud, je freifinnigerbie neue Regierung in fjotftein öerfugr. Defterreid) fonnte in biefemfernen ßanbe, baS eS nie 51 t ermerben hoffen burfte, mit aller ßiberalitätregieren; eS lag bicS in feinem ^ntereffe, benn eS machte bie Veöölferuttgöon ijßreufjen abmenbig. Die folgen öerehrten ben Grbprinzen öonAugujtenburg offen alö ihren fperjog, unb bie treffe feierte ben 16. Roö.als ben zweiten Jahrestag beS Antritts feiner Regierung. Die preugifegeVergewaltigung, bie ihn an ber Ausübung feiner [Rechte hinberte, mürbebitter angefeinbet. DaS lieg ber Statthalter jurn Aerger VeeugenS ge=fchehen, ohne ein ffiort bagegen §u fagen.

Unter alt ben zahlreichen Äunbgebungen, bie gegen fftreujjen gerichtetmaren, machte bie Altonaer SRaffenüerfammlung, bie bort am 23. 3anuar1866 abgehalten mürbe, in Verlin ben übelften Ginbrud. Von bem©cgleSwig»holfteinfd)en Verein, bem ftampfgenoffen»Verein unb bemVotfS»Verein berufen, hotten ftch mehrere taufenb fferfonen auS allen ®egenbcnbeiber fperzogtgümer, fomie Vertreter ©übbeutfcgtanbS eingefunben. Re»folutionen 511 faffen, mar ber Vcrfammlung oom ©tatthalter zwar unterefagt morben, allein bie gehaltenen Sieben erhöhten bie Aufregung ber®emütf)er, unb fie mürbe öon ben f?etmfef)rcnben in ihren ®emeinbenoerbreitet. ®egen bie Dulbung biefeS JreibenS erhob ®raf ViSmardVefcgwerbe in gönn einer Depefcge öont 26. 3onuar, bie ber preugifege©efanbte in 2Bien, Varott Vßertgcr, bem ®rafen ÜRenSborff mitjuthcilenbeauftragt mürbe. Die Altonaer Verfantmlung mürbe barin alö einVknbepunft in ben Veziegungen beS Vßiener GabinetS ju Vwugen be»geichnet, metcher ber Älärung bebiirfe. GS überfchreite bie 3utaffung berVerfammlung auf bem ®ebiete öjterreicgifchen Regiments alles Grmartete.Die Vereinbarungen ju ®aftein unb Salzburg hotten bie Hoffnung aufeine ®emeinfamfeit in Vefämpfung reootutionärer Veftrebungen ermedt,bagegen mürben in fjolftein biefelben Vtittel gegen 9ßreu§en in Vewegunggefegt, bie Defterreid) nicht bulben motlte, als fie in granffurt jurn Vor»fegein famen. Der ©tatthalter öon holftein oermöge aber fräftiger ba»gegen einzufcfjreiten, als bieS bem granffurter ©enat möglich geroefen fei.Vtan moße in SKien öon ber begiinfiigten feinbfeligen ©timmung gegen9ßreufjen ®ebraud) ma^en; mcnigftenö fei nicht anberö ju erftären,menn man zugeiaffen höbe, ba§ bie fübbeutfcfjen gührer ber ®emofratiebie birecte Ülufforberung jur ©teueröermeigerung (bie jeboch feinen Stnflang

9 SilbersSIiromf.

beim Jränfen ber Vfcrbe, hier rairb einem Ärieger ein frifetjer Irunf braunen Siereegereicht, bort einem anbern ein 'Päcfcbcn Cigarren, ba« ein alter Veteran au« bemgelbjugc »on 1813 barbietet. $o<b nicht lange mährt bie ffiajt. ®er 3ug führtbie Jrubhen ben SReiben be« ft<b fammelnben .heere« ju; ein betriebe« Sebt mohl,lebt mohl! " ruft man ihnen oon allen ©eiten ju, ba« burd) ein fräftige«^urrah"auä ben 2Bagen heran« bearttmortet mitb.

ttusmarfdi bcs preuhtfefieu 6arbefcfiühen6atat(ton5 aus Stettin. 25ieÜlbfahrt ber ©arberegimenter oott ©crlin mar immer unb immer roieber binausge»fchoben morben, bi« bie Verhältniffe eine SBenbung nahmen, bie ben Vuäbrudj bergeinbfeligfeiten al« nahe beöorftebenb erfentten lieg. ©0 mürbe benn auch ber Se-fehl jum 2lu«rüefen ber ©arbe ganj richtig al« entfeheibenbe« Vorzeichen ber ©nt»labung be« ©emitter« gebeutet. 25er 2tu«marf<h erfolgte am Viotgen bc« 4. 3unium 4 Ugr. Vor ber Äaferne be« ©arbefchübenbataillon« batte ftd) trog ber frühen©tunbe eine beträchtliche Volf«menge öerfammelt, meldfe bie in ber Veftbenj einhei»mifchen Jrupoen noch ein ©tücf Sßcge« geleiten motlte. Unter bem Vortritt berSDiuftf jog ba« Vataillon burch bie ©tabt nach bem ©ottbufer Ihorc, mo bie ©arbe»truppen ftch fammelten unb noch einmal oor bem ffiönig Vülhelm Oteoue pafftrten.25er Vionatcf) entlieg bie nach ber ©renje abgehenben Regimenter mit einer furjenülnfprachc, unb mehrere ber am Ihore haltenben Gquipagen, fomie eine groge Viengcguggänger fchloffen ftd) ben 2lbmarfd)irenben noch eine ©trede an.

gefunben hotte) in baö ßanb hfucinfchleubcrten. ©0 werbe ein bisherburch feinen conferöatiüen ©inn ausgezeichnete^ ßanb ju einem beerbeber Dteoolution gemadjt. SBolle man baö in SBien ruhig anfehen, in[Berlin bürfe man nicht. 5)ie Regierung über jebeö ber beiben ^er»| zogthümer fei ben beiben Gonbotnini ju ©aftein wie ein $fanb berSogalität anoertraut morben, baö in statu quo erholten werben rniiffe,bis eine weitere Verfiänbigung 5 U erreichen fei. ® Dbject werbe jebochbeteriorirt, wenn baö monar^ifche ffSrincih befchäbigt, bie Autorität ingrage geftellt unb baSjenige oerhöhnt werbe, waö bie beiben ÜRächte felbftbeftimmt hoben, ja wenn man fogar bie beftehenben ®efege angreife.Vefonberö fchmerzlich berühre ben Äönig, ba§ fid) unter bem ©chugebeö öfterreidjifdjen SDo^pelablerS, ber noch oor Äußern in einem blutigenÄamfjfe neben bem preugifchen Sanner geweht höbe, reöolutionäre Jen»benjen entfalten bürften. 9luf ben anSbrüdlichen Vefehl beö Äönigöerfudje ®raf Viömard ben ®rafen üJtenöborff, bem Äaifer mitzutheileu.Wie baburch baö ®efühl ber 3 ufammengef)örigfeit öon fflreugen unbCefterreid)/ Welches ber jfönig fo gern h^Ö e » crfchiittert unb gef<hwäd)twerbe. GS fei nur erforberlid), ba§ man in fpolftein bie unzweifelhaftgültigen ®efege anwenbe, bag man ben ©chtnähungen gegen beugen inber treffe unb in ben Vereinen ein Gnbc unb bie Ginwirfungen beS fo»genannten Stieler fpofeS auf baS ßanb unmöglich mache, um ber Vefdjä»bigung beS monarchifch^u ffßrincifpS unb beS ©inneS für Drbnung burchbie Verwaltung ^olfteinS oorjubeugett. Rieht Gonceffionen öertangeVreugen, fonbern nur Grhaltung beS beftehenben Rechts, Welche Defter»reid) feiner Gf)re fchutbig fei unb bie ihm feine Opfer fofie. ©ollte jenesRecht für Defterreid) wenig ffißcrtf) hoben, fo fei hoch bie Durchführungbeffelben eine ßebenSfrage ber jegigen preugifdjen Regierung unb untrenn*bar oon ihrer ®efammtpolitif. gallS Oefierreich auf biefe Vorftellungeneine abtehnenbe ober hinholtenbe Antwort geben wollte, fo würbe bieSein VeweiS fein, bag eS auf bie Dauer mit ipreugen nicht jufammen gehenwolle, unb bag fein Verfahren in ben £erjogtf)ümern baS ÜRittel für bentrabitionellen SlntagoniSmuö gegen ^reugen wäre, öon bem man inVerlin annahm, Defterreid) höbe ihn längft iiberwunben. Die Gnttäu»

: fdjung mügte für bie preugifche Regierung unb inSbefonbere für ben Äönigfchmerzlich fein. Gine Klärung biefer Verhältniffc fei nothwenbig, unbfalls bie ®efammtpolitif beiber beutfehen ®rogfiaaten ferner nidjt jufatn»

I men gehen fönne, fo mügte Vreugen fid) feine ganje greiheit! bewahren unb allein feine 3ntereffeit ju Rathe ziehen.

; Der Rugenblid fei ernft unb mache eine offene Sprache nothwenbig, bennnach ben neuejten Vorgängen müffe Vorigen über bie 5tbfichten beS üöiener: GabinetS ®ewiggeit erhalten.

| Sffiir theilen ben wefentlichen 3 n holt biefer Depefche ausführlichermit, weil fte ber eigentliche ülbfagebrief an Defterreid) geblieben ift, nad)»bem bie Antwort beS ®rafen üRenSborff oom 7. gebruar worauf wirnäher jurüdfommen, wenn wir in ber zweiten Lieferung bie öfterreichifdR2luffaffung ber©ad)lage barlegen werben in Verlin nicht befriebigt hatte.GS war zwar ber ©ag barin enthalten: niemals habe Äaifer granj 3ofept)öerfannt, bag eine Vereinbarung über bie ^erjogthiimerfrage bem Staats»intereffe VwugenS eine gerechte Vefriebigung gewähren müffe; allein mei»terfjin würbe zuö^ ^te natürliche Weigerung auSgefprochen, eineSlnnejion biefer ßänber an Vreugen ftch öodjiehen ju taffen. ®raf ViS»mard fannte bereits bie 5lbftd)t DejterreichS, biefe Angelegenheit nicht: ohne guftimtnung beS Deutfchen VunbeS zur Gntfcheibung gelangen zu

2MIt>cr;(Sfn:onif. 10

, |>ie fügtet Öes preugifdien isecres. Der ©lanz be« Ruhm«, welcher bempreugifdjen .peerc im beutfegen Sriege oon 1866 in reichem Via ge zuSgeil geworbenijt, wirft feine geUfien ©traglen auf bie gier im Vilbe vereinigten geroorragenbftenVefegl«ga6er ber Armee. Die öon einheitlichem ©eijie befeelte gügrung, weld?cebenfo energifeg al« umfid)tig in einanber griff, mugte auf ba« Vertrauen unb benVtutg ber Iruppen ergebenb wirten unb legte fomit ben ©runb ju ben rafegen unbbebeutenben ©rfolgen. Gtat«mägig beftegt ba« preugifigc .&eer au« neun Armee»corp«, febe« ©orp« felbft aber au« zwei Diöiftonen, bie Diöifton au« zwei Infanterie»unb zwei ©aöallerie»Vrigaben unb bie Vrigabe au« zwei Regimentern. Augerbemftnb ju jebem Armeecorp« gegörig: eine Artitleriebrigabe Pott 96 ©efegügen, eingefonberte«güftlierregiment, ein Säger» unb ein Vionierbataillon. Die ©arberegimen»ter, welche ein Armeecorp« für geg bilben, gaben auger bem Säger» noeg ein ©cgügett»bataillon. Dgtte .ftinzuziegung ber öanbwegrbataillone beftgt jebe« Armeecorp« circa36,000 'Viann. Vefanntlicg fpaltete fteg biefer gewaltigefccctfötpcr in Pier grögereJgeile: bie ©rfte ober fogenannte fäcggfcge Armee unter bem Vrinzcn griebrieg Äarl,bie 3weite ober fcglcftfdje Armee unter bem Äronprinjen, bie Glbarmee unter bem©eneral ^erwartb oon Vittenfelb, unb bie Viainarmee, welche juerft oon bem©encral Vogel ö. galcfengein, fpäter öon bem ©eneral ö. SDlanteuffel befegligt würbe.Der gier in einem ©ruppenbilbe öercinigten ^eerfügrer werben wir übrigen« bc«Rägeren in ben Lieferungen gebenfen, in welcgett beren Ginzelporträt« entgalten ftnb.