Druckschrift 
Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
Entstehung
Seite
456
Einzelbild herunterladen
 

45V

St. Gallen.

Doch deucht mir daneben, euch plage viel Weile.

Ihr dankt mirs wohl, wenn ich euch Arbeit ertheile.Man rühmet, ihr wäret der pfiffigste Mann,

Ihr hörtet das Gräschen fast wachsen, sagt man.

So geb ich denn enern zwei tüchtigen BackenZur Kurzweil drei artige Nüße zu knacken.

Drei Monden von nun an bestimm ich zur Zeit:

Dann will ich auf diese drei Fragen Bescheid.

Zum ersten: Wann hoch ich, im fürstlichen Rathe,

Zu Throne mich zeige im Kaiser-Ornate,

Dann sollt ihr mir sagen, ein treuer Wardein,

Wie viel ich wohl werth bis zum Heller mag sein?

Zum zweiten sollt ihr mir berechnen und sagen:

Wie bald ich zu Rosse die Welt mag umjagen?

Um keine Minute zu wenig und viel!

Ich weiß, der Bescheid darauf ist euch nur Spiel.

Zum dritten noch sollst du, o Preis der Prälaten,

Aufs Härchen mir meine Gedanken errathen.

Die will ich dann treulich bekennen: alleinEs soll auch kein Welchen Wahres dran sein.

Und könnt ihr mir diese drei Fragen nicht lösen,

So seid ihr die längste Zeit Abt hier gewesen;

So laß ich euch führen zu Esel durchs Land,

Verkehrt statt des Zaumes den Schwanz in der Hand."

Drauf trabte der Kaiser mit Lachen von hinnen.

Das Pfäfflein zerriß und zerspliß sich mit Sinnen.

Kein armer Verbrecher fühlt mehr Schwulität,

Der vor hochnothpeinlichcm Halsgericht steht.

Er schickte nach ein, zwei, drei, vier Un'vers'täten,

Er fragte bei eins, zwei, drei, vier Facultäten,

Er zahlte Gebühren und Sporteln vollauf:

Doch löste kein Doctor die Fragen ihm auf.