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Murgthal.
157. Das Burgfräulein von Windeck.
Halt an den schnaubenden Rappen, verblendeter Rittersmann!
Gen Windeck fleucht, dich verlockend, der luftige Hirsch hinan.
Und vor den mächtigen Thürmen vom äußern verfallenen Thor,Durchschweiftc sein Auge die Trümmer, worunter das Wild sich verlor.
Da war es so einsam und stille, es brannte die Sonne so heiß,
Er trocknete tief aufathmcnd von seiner Stirne den Schweiß.
„Wer brächte des köstlichen Weines mir nur ein Trinkhorn voll,Den hier der verschüttete Keller verborgen noch hegen soll."
Kaum war das Wort beflügelt von seinen Lippen entstehn,
So bog um die Epheumauer die sorgende Schaffnerin schon.
Die zarte, die herrliche Jungfrau in blendend weißem Gewand,
Den Schlüßelbund im Gürtel, das Trinkhorn hoch in der Hand.
Er schlürfte mit gierigem Munde den würzig-köstlichen Wein,
Er schlürfte verzehrende Flammen in seinen Busen hinein.
Des Auges klare Tiefe, der Locken flüssiges Gold!
Es falteten seine Hände sich flehend um Minnesold.
Sie sah ihn an mitleidig und ernst und wunderbar
Und war so schnell verschwunden wie schnell sie erschienen war.
Er hat seit dieser Stunde an Windecks Trümmer gebanntNicht Ruh noch Rast gefunden und keine Hoffnung gekannt.
Er schlich im wachen Traume gespenstig, siech und bleich,
Zu sterben nicht vermögend und keinem Lebendigen gleich.
Sie sagen, sie sei ihm zum Andern erschienen nach langer Zeit,
Und Hab ihn geküsst auf die Lippen und so ihn vom Leben befreit.
A. v. Cbamisso.