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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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M urgtha l.

Nun sah man alle Morgen dort überm Bett der MurgDas Rockenweibchen sitzen vor ihrer Felscnburg:

Sic lies; das Rädchen schwirren und sang ein Zauberlied;

Es wähnt der Vogt zu irren, als er die Spinnende sieht. ,

Da ritt er hin und fragte: „Was schaffst du Alte da?

Du spinnst dir wohl ein Brauthcmd? Da sprach die Elfin: Ja,Ein Brauthemd und ein Todtenhemd, Herr Vogt, wenn ihr erlaubt.„Der Flachs ist schön, den hast du wohl mir vom Felde geraubt?"

„Nicht also," sprach die Alte, „gewachsen ist er dort,

Wo ihr begraben ließet das ärmste Paar im Ort."

Nicht weiter mocht er fragen; die Antwort klang so schlimm;

Er sorgt', es würde schlimmer: da ritt er heimwärts im Grimm.

Wohl rieth ihm auch die Sorge: Lenk ein, eh dichs gereut,

Laß Stolz und Härte fahren, ich mahne dich noch heut.

Doch immer widersprachen ihr Hochmuth und Verdruß:

Er schwankte hin und wieder und kam zu keinem Entschluß.

Darauf am andern Morgen, als er beim DeckelglasDen Unmuth scheuchen wollte, der ihm im Nacken saß,

Wer trat da in die Thüre? Schon Klärchen ists fürwahr,

Die Hemden in den Händen, aus Neßeln zierlich und klar.

Da ward ihm schwer im Herzen und dunkel vor dem Blick;

Doch hofft' er wegzuscherzen das dreuende Geschick:

„Hör Klärchen, ich gedachte dich immer selbst zu frein;

Zu alt ist dir der Buhle: so will ich Brautführer sein.

„Und morgen ist die Hochzeit." Und als der Morgen kam,

Die Braut zur Kirche führte der frohe Bräutigam,

Der Segen ward gesprochen — da scholl es dumpf und bang:

Das war die Todtcnglocke, die für den Burgvogt erklang.

K. S.