„Wollen wir uns scheiden?" Hub da Hagen an,
„Ehe wir beginnen zu jagen hier im Tann?
So mögen wir erkennen, ich und die Herren mein,
Wer die besten Jäger bei dieser Waldreise sei'n."
„Die Leute und die Hunde, wir theilen uns darein:
Dann fährt, wohin ihn lüstet, Jeglicher allein,
Und wer das Beste jagte, dem sagen wir den Dank."
Da weilten die Jäger bei einander nicht mehr lang.
Da sprach der starke Siegfried: „Der Hunde Hab ich Rath,
Ich will nur einen Bracken, der so genoßen hat,
Daß er des Wildes Fährte spüre durch den Tann:
Wir kommen wohl zum Jagen!" so sprach der Kriemhilde Mann.
Da nahm ein alter Jäger einen Spürhund hinter sichUnd brachte den Herren eh lange Zeit verstrich,
Wo sie viel Wildes fanden. Was des vertrieben ward,
Das erjagten die Gesellen, wie heut noch guter Jäger Art.
Einen großen Eber trieb der Spürhund auf;
Als er begann zu fliehen, da kam in schnellem LaufDerselbe Jagdmeister und nahm ihn wohl aufs Korn:
Anlief den kühnen Degen der Eber in großem Zorn.
Da schlug ihn mit dem Schwerte der Kriemhilde Mann:
Das hätt ein andrer Jäger nicht so leicht gcthan.
Als es nun gefällt lag, fieng man den Spürhund:
Bald ward sein reiches Jagen der Bürgenden alle kund.
Da vernahm man allenthalben Lärm und Getos,
Von Leuten und von Hunden ward der Schall so groß,
Man hörte widerhallen den Berg und auch den Tann.
Vier und zwanzig Hunde hatten die Jäger losgethan.
Da wurde viel des Wildes vom grimmen Tod ereilt.
Sie wähnten es zu fügen, daß ihnen zugethejlt
Der Preis des Jagens würde: das konnte nicht geschehn,
Als bei der Feuerstätte der starke Siegfried ward gesehn.