Druckschrift 
Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
Entstehung
Seite
259
Einzelbild herunterladen
 

28 »

Mainz.

Die Häscher aber faßten ibn und riefen hart ihm zu:

Ei halt, wo eilst du Alter hin? Gestohlen ist der Schuh. —

Den schenkte mir das Bild zum Lohn, so rief der Alte bang;

Sie aber sprachen drauf mit Hohn: dem Dieb gebührt der Strang

Sic glaubten seinem Schwure nicht, verdammten ihn zum Strang,Sie schleppten ihn zum Hochgericht, den stillen Rhein entlang.

Und als er auf der harten Bahn zum kleinen Kirchlein kam,

Da hielt er bei dem Bildniss an und sprach in seinem Gram:

Du selber littest größern Schmerz und gabst für Gott dein Blut;Ich opfre dir mein armes Herz, nimm mich in deine Hut.

Zum Letzten nimmt der alte Mann die alte Geig hervor:

Und singt dazu, so gut er kann, sein Lied dem Bilde vor.

Doch als das Lied geendet war und er wollt weiter ziehn,

Den zweiten Schuh von Gold so klar warf ihm die Heilge hin.

Voll Staunen und voll Rührung sah das Volk dem Wunder zu:Sic sprachen: „Gott der Herr ist nah," geschenkt ward ihm der Schub.

Sic fielen reuig auf das Knie und beteten im Kreiß

Und mit dem Spiclmann sangen sie dann Gottes Lob und Preis.

G. GörreS.