Köln.
149
Doch Fasolt sprach, der schnelle: „Es braucht aber Zeit,
Und lange muß man schüren, bis Dietrich Flammen speit.
Zwar nicht beim ersten Hiebe stürzt der Eiche Wucht,
Oft muß man zweimal schütteln, eh niederfällt die reife Frucht;
„Doch Schütteln half noch Rütteln, als Wittich mit ihm focht:
Er könnt ihn nicht erzürnen, es hätt ein naßcr DochtWohl eher Feuer gefangen. Er schlug ihn doch so wundUnd nicht ein bleicher Funke fuhr ihm jemals aus dem Mund."
Herr Eck sprach: „Laßt gewähren, es füllt einmal der Held
Mit seines Namens Ehre allein die halbe Welt;
Von Mir ist keine Rede, man weiß nicht wer ich bin:
Drum, wenn ich ihn besiege, das ist gewisser Gewinn.
„Ich zähl erst zwanzig Jahre und schlug wohl hundert MannMit tiefen Wunden nieder: wer aber denkt daran?
Wär Einer mir erlegen dafür, von dem man weiß,
Ein hochberühmter Degen, so hätt ich dauernden Preis.
Die Schwachen zu besiegen, das ist vergebner Mord,
Adler fängt nicht Fliegen, so mahnt ein altes Wort.
Erschlüg ich diesen Recken, so tont' es laut genug:
Seht her, da kommt Herr Ecke, der den Vogt von Bern erschlug."
Nun saßen in dem Saale, wo dieß Gespräch geschah,
Drei schöne Königinnen den edeln Helden nah.
Da sprach die Erste drunter, die Secburg war genannt:
„O weh, wo ist der Berner, den man rühmt in allem Land?
„Soll ich den Held nicht schauen, wie Godan mein vergißt!
Den man in deutschen Gauen nun für den höchsten mißt.
Ihr habt so lang geworben um meiner Minne Sold:
Der mir den Z)egen brächte, dem wär ich inniglich hold.
„Willst du ihn, Eck, bestehen, willkommen seist du hier;
Mit meinen beiden Ohren vernahm ich das von dir.
Nun bin ich hergegangen, dich freundlich zu empfahn:
Und bringst du ihn 'gefangen, du hast mir Liebes gethan."