101
Achen.
Er sprach: Ja, wie ich sagte, sie ist eines Königs Kind,
Doch jetzt eines Kaisers Tochter — ich sahs, o war ich blind'!Doch wer der Mann gewesen, erkannt ich nicht so recht,
Und weiß es euer einer, wohlan ihr Herrn, so sprecht.
Da sahen wohl die Räthe verwundert einander an,
Doch der da saß zu unterst im Rath der jüngste Mann,
Der sprach: mein Herr und Kaiser, ihr wißt und ich leugne nicht,Ich wars, nun laßet halten über mich Gericht.
Da war ein großes Staunen wohl auf der Räthe Bank;
Da gieng ein Murmeln und Raunen wohl den Saal entlang.Dann aber fragten Manche Kaiser Karl ihren Herrn,
Wer die Kaisers Tochter wäre, sic meinten, er sag es gern.
Er sprach: Ich bin der Kaiser: wer ist an Macht so reich,
Und Emma ist meine Tochter, wer ist an Schmerz mir gleich?
Da deckt' er mit den Händen, ach, sein Angesicht,
Helle Thränen flößen, er bezwang sie nicht.
Da war im Saal ein Schrecken und ein tiefer Schmerz:
Alle Räthe schwiegen, und Einer schlug sich ans Herz;
Er warf sich auf die Erde, er weinte bitterlich,
Er dachte den Schmerz des Kaisers, er dachte nicht an sich.
Da sprach der Kaiser strenge: Wo bliebe Zucht im Land,
Wenn an des Kaisers Tochter solches würd erkannt!
Ich sage los von ihr mich, fort beide von Hof und Haus!
Sei euch der Himmel gnädig, ich aber stoß euch aus!
Da hob sich von der Erde und gieng Herr Eginhard;
Doch als des Kaisers Tochter der Spruch gemeldet ward,
Da legte sic aror Schmerzen die Hand an ihre Brust:
Genadc Gott mir, sprach sie, ich Hab es wohl gewust.
Nun gieng in ihre Kammer die kummervolle Maid,
Da zog sie aus wohl eilig ihr goldgcwirktes Kleid,
Und löst' aus ihren Haaren den Kranz von Edelstein,
Das nahm sic und verschloß es jedes in seinem Schrein.