wir gewesen waren. Wir trugen eine schön geschmückte Wiege,eine Rassel und allerlei Kindcrgeräthe bei uns. Die Wiege wardin die Stube gestellt, um sie her gesungen und gereiht, unddarüber gesprungen. Alle opferten etwas an Geld, oder Flachs,oder Linnen, oder Früchten in die Wiege, und da sie wohlangefüllt war, wickelten wir alle Gegenstände in eine Puppezusammen und spendeten es sammt der Wiege der ärmsten Familie.
Ouasimodo geniti. (Weißer Sonntag.) Heute hattenwir die erste Ordensversammlung. Wir theilten Weiße Taufhemdenund Decken aus an arme Wöchnerinnen. Ornithogalia wiederholteuns gar anmuthig, was Jacob von Guisc über die Worte gcpre-diget: „Wie neugeborene Kindlein ohne Trug begehret nach derMilch, daß ihr durch sie zum Himmel aufwachset." — Ich schenkteihr dafür das Recht,, eine Anzahl Kühe, Schafe und Ziegenauf meinen Wiesen weiden zu lassen, wofür sie bei Braut- undLeichenzügcn meiner weiblichen Nachkommen ein Hirtenhuhn zuentrichten hat.
Maientag. Wir Gespielinnen zogen mit den armenKindern hinaus in den grünen Maien, speisten sie, spielten undtanzten mit ihnen im Kreis und sangen die Weise:
„Grase, grase, grüne,
Sieben junge Hühner,
Gläschen Wein,
Bretzelchen drein.
Sitz' nieder!"
Ich ging mit Osterlnzia in den Wald und suchte Waldmeistcrleinund andere Kräuter zum Maitrank. — Sie war Abends bei mir,und sprach so lieblich von der Waldeinsamkeit und wie sie eineEinsiedlerin werden möchte, daß ich ihr ein schönes Stück Waldschenkte, wofür sie ein Waldhuhn bei Braut- und Leichenzügenzu entrichten hat.
Sonntag Misericordias. Da mau liest vom guten