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Raffaels Disputa
Entstehung
Seite
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der Geschichte ihrer Entwickelung, insbesondere in der Geschichteder Malerei aus. Der Spiegel der Seele, der Abglanz des gött-lichen Ebenbildes ist das menschliche Antlitz. Die christliche Ma-lerei hat von Anfang an ihre ganze Thätigkeit dem Antlitze zu-gewandt; dieses in seiner höchsten Verklärung darzustellen, nachGeist und nach Form zu vollenden, darauf ist immer ihr vor-nehmstes Streben gerichtet gewesen; auf die übrigen Theile desKörpers verwandte sie theils absichtlich, theils absichtslos weitgeringere Sorgfalt. Die antike Kunst ist den umgekehrten Weggegangen, sie hat ihre Richtung von unten nach oben genommen,sie hat, wie die äginetischen Kunstdenkmale beweisen, mit der Aus-bildung der übrigen Theile des menschlichen Körpers begonnen,vom Niedrigeren zum Höheren fortschreitend Z. Je nach der Ver-schiedenheit des Ausgangspunktes und je nachdem man sich jeneroder dieser Kunstrichtung zuneigt, entstehen auf dem Gebiete derbildenden Künste Parteien und Sekten, Naturalisten und Idealisten;Parteien, in welche das Gebiet der Kunstbestrebungen unsererTage getheilt ist. Der Idealist unterscheidet sich von dem Na-turalisten schon durch die verschiedene Art der Empfängnis; desKunstwerkes; er empfängt in seinem Geiste eine künstlerische Idee,trägt sie, bildet sie aus, und ergreift die Gegenstände der äußerenWelt, um seiner Idee Ausdruck zu geben, sie äußerlich in Formund Farbe darzustellen. Der Naturalist hingegen geht von derNatur aus, er ergreift unmittelbar die äußere Erscheinung, befreitsie von allem Zufälligen und sucht sie zur künstlerischen Darstel-lung zu bringen. Beide Wege gehen nicht nothwendig ausein-ander, beide können zu demselben Ziele führen. Sie führen nichtzu demselben Ziele, sie führen auseinander, führen ab von demhöchsten Ziele der Kunst, wenn man sie nicht zu Ende geht. DerIdealist muß dahin -kommen, daß er auch der Natur gerecht wird,denn die Natur, in ihrer Schönheit aufgefaßt, ist dem Geiste nichtzuwider, sie ist seine Trägerin, und überträgt man den Satz: mens

i) S. über den Einfluß des Christenthums auf die bildende Kunst, eine Vor-lesung von W. von Schadow. Düsseldorf 1842.