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Raffaels Disputa
Entstehung
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scheinung Quelle und Ursprung. Und kann mau es läugnen, daßdieser steifen Symmetrie eine eigenthümliche Feierlichkeit und Er-habenheit inwohne, daß diese Art der Composition durch keineZierlichkeit und Mannigfaltigkeit der Stellung zu ersetzen sei, unddaß auch Maler aus den besten Zeiten dieselbe, freilich mit dernöthigen Milderung, mit Glück angewandt haben?

Das Christenthum stellt die Lehre auf, das Fleisch, der Sitzder dem bessern Menschen widerstrebenden Kräfte, muffe unter dieBotmäßigkeit des Geistes gebracht oder ertödtet werden; was diechristliche Lehre hier verkündet, das bringen die christlichen Malerzum Ausdruck in den mageren Darstellungen, welche ihre Bilder,insbesondere die Bilder der Byzantiner, auszeichnen.

Die Farben üben eine große Gewalt auf das menschliche Ge-müth, selbst auf das Thier, ans; dem Lichte und seinem Gegen-sätze gleich, erwecken gewisse Farben heitere, andere erwecken trübeStimmung; je lebendiger, je greller, um so mächtiger ist ihre Anzie-hungskraft für Kinder und Ungebildete. Verschwenderischer, die Sinnebestechender Gebrauch der Farben in der Malerei deutet immer aufden Verfall der Kunst hin. So besingt der mittelmäßige und schlechteDichter die sinnliche Liebe am liebsten, weil die Menge, die Machtdes sinnlichen Triebes mit dem Zauber der Poesie verwechselt.Die Farbengebung des Bildes soll aber die Aufmerksamkeit desBeschauenden nicht zerstreuen, nicht vom Bilde abziehen, sondernsoll durch das sanfte Anschmiegen an den Geist und das Gemüthuns nur um so aufgelegter machen, in den Sinn des Kunstwerkeseinzudringen. Die christlichen Künstler des Mittelalters, namentlichdie hervorragendsten unter ihnen, ordneten mit großer Selbst-beherrschung die Farbengebung ihrem Zwecke unter, sie vermiedendeshalb den Zügen des menschlichen Antlitzes durch den gekünsteltenFarbenreiz einen erhöhten Ausdruck zu geben, sie vermieden die wär-meren und lebendigeren Tinten und tauchten ihre Pinsel in diesanften Farben des Regenbogens.

Die Alterthümlichkeit des Stils schickt sich für unsere Gattungder Malerei, wie die Alterthümlichkeit der Sprache für das geist-