Druckschrift 
7 (1852) Comoedien
Entstehung
Seite
269
Einzelbild herunterladen
 

26 S

wieder, daß ich in ihr der nie gekannten hohen Eltern Ruhmerneue, und sie in mir. Ruhm! du frecher Stolz der Jugend,des Mannes Kinderspiel, Gebiß in des Rosses schäumendemMaule; Ruhm! des Greises Strohbett, Schattenspiel zwischenTod und Leben; wie bunt lag deine Brille über meinen Augen,da ich mit Heeresmacht vor diesen Mauern lag; ich dünkte weisemir, weil ich mit Winkelzügen die armen Bürger hungernlehrte, ich glaubte stark zu sein, weil ich Menschen bezwäng,die schwächer waren als ich; aufhellen wollte ich der eigenenGeburt Dunkelheit!Wer ist sein Vater?" fragten sie,Muth!" wollte ich antworten;wer ist seine Mutter?"Jugend!" so wollte ich sprechen, und kühn leben, und zu denBürgern dieser Stadt, die keck mich schimpften:Findling

aus des Nachbars Land, verschone uns, wir haben Eltern, dieum uns weinen!" zu ihnen sprach ich:Die offne Welt istmeiner Mutter Leib, die Welt soll um mich weinen, um michsich freuen; da ich durch eure Thore ging, ward ich geboren,siegreich geboren, wehe, wie ist das Leben mir zu eng!" sosprach ich, glaubte neu zu sein, und meines eigenen Lebenseigener Erfinder! O Ruhm! du armer Ruhm! wie ich michbrüstete, so hatte mich schon längst ein schwaches Weib geträumt,so hatte die geliebte Mutter, ach! die ich nie gekannt, in ihrerTräume Sehnsucht mich geschaffen; da ich in jene Hallenmuthig schritt, da stand ich schon und fühlte, wie die frecheThat zu spät nur kommen kann, wo Phantasie im Leben einsambildet! O, ich glaube nun, ich weiß nicht mehr, und nurder Gläubige sei ferner mir ein Weiser! (S-i-rUch- Musik,

Niualdo hört mik Andacht zu, kniet zur Erde nieder, dem Bilde des Rittersgegenüber.)