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reinerer und einfacherer Gestaltung gedieh». Aber in Alexius,wie gesagt, war das Gefühl für die geschichtliche Größe derNation lebendig; er war nicht gesonnen, die Ansprüche ansWiederherstellung und territoriale Begründung irgendwie anf-zngeben, und ohne Frage hatte er beträchtliche Fortschritte biszum Jahr 1096 ans diesem Wege gemacht. Seit der Besiegungder Petschenären war Makedonien und Thrakien gesichert undein Angriff der Cnmancn mit kurzer Anstrengung abgcwchrtworden; Bulgarien, dessen Chane den früher» Kaisern so man-ches Unheil gebracht, war in Folge der letzten Kriege wiederin Untcrthanigkcit getreten. Im Westen sperrte man 1095durch eine fortlaufende Kette von Feldbefestigungen die serbi-schen Grenzen, im Osten gelang es in nachdrücklichen Kämpfengegen türkische Emire eine Reihe von Inseln und Küstenplätzender griechischen Herrschaft zu unterwerfen. Sv war doch eincrwähncnswcrthcr Grundbesitz von Neuem zusammcngcbrachtund deutlich zeigen die Händel mit den Kreuzfahrern, daß auchdie innere Verwaltung zu ergiebiger Ordnung und Strengeznrückgeführt wurde: der Schatz war gefüllt und die Provin-zen unter so sorgfältiger Aufsicht, daß man den Gedankeneiner vollständigen Jsolirung der einzelnen Kreuzhecrc fassenkonnte.
Untcrdcß begannen auch geistige Richtungen von cigcnthüm-kichem Gehalt in schwachen Anfängen sich zu regen. Auch hier,wie im Abendland«? herrschten religiöse Bestrebungen vor; dieMutter des Kaisers stellte eine strenge Sittcnreinhcit im Pal-laste wieder her, der seitdem wie ein heiliges Kloster sich aus-genommen haben soll. Aller Lust, sagt Anna in), war sic ab-geneigt, aber ernsthaften Menschen und besonders den Geistli-chen gnädig: wir sehn, wie auch hier vorzugsweise praktischeSittlichkeit erstrebt wird, freilich mit weniger Aufwand vonHitze und Polemik als gleichzeitig im Abendland«?. Die inByzanz hergebrachte Neigung zur Spekulation tritt daun mil-dernd hinzu, und auch sie findet in der Familie des Kaisers
10) i>. 87.