die Gegenden, in welchen Jesus gelebt, gelehrt, gelitten hatte,in der Mahomedaner Gewalt. Bei den damaligen Religions-begriffen der Christen, die ganz an das Irdische und Sinnlichegeknüpft waren, schien es die heiligste Pflicht, Gut und Blutaufzuopfern, um das gelobte Land, Jerusalem, und das heiligeGrab, worin der Gvttmensch gelegen war, den Ungläubigenwieder zu entreißen. Eine unerhörte, unglaubliche Wuth er-griff die christlichen Nationen. Man vergaß die innerlichenKriege bei sich, und vereinigte sich zur Wiedereroberung des so-genannten heiligen Landes. Tausende, Hunderttauscnde, Mil-lionen liefen aus allen christlichen Reichen Europens zusammen,bildeten die zahlreichsten Kriegsheere; Kaiser und Könige, Ritter,Mönche, Weiber und Kinder eilten mit dahin, die EroberungJerusalems zu erzwingen. Schon längst war das Wallfahr-ten zum heiligen Grabe als etwas Verdienstliches angesehenworden. Wer nur sein Leben gegen die Ungläubigen wagte,dem versprach die Kirche vollkommene Entsündigung und denGewinn des Himmels. Jeder trug, als Bekenner des Gekreu-zigten, Krcuzzeichen auf den Kleidern. Und so strömten dieHeere ins Morgenland. Es waren gleichsam neue Völker-wanderungen; man nannte sie aber Kreuzzüge.
Zwar das heilige Land ward erobert, und im neuen Jeru-salem ein christlicher Königsthron errichtet, jedoch nur für kurzeZeit. Tapferkeit, Eintracht und Keuschheit von den BckennernMahomeds siegte über ungeordnete Wuth der meistens untersich hadernden Christen. Und obwohl die Krcuzzüze ein paarhundert Jahre lang fortgesetzt wurden, und obwohl MillionenMenschen das Opfer derselben wurden, blieb doch alle Anstren-gung fruchtlos. Die Bekenner des arabischen Propheten trium-phirten, und vertrieben die Christen nicht nur aus dein ganzenMorgenlande, sondern die Türken drangen auch in Europa ein,zerstörten das christliche Kaiserthum in Griechenland, undmachten im fünfzehnten Jahrhundert nach Christi Geburt Kon-stantinopel zur Hauptstadt ihres durch Eroberung gewonnenen,weitläufigen Reiches.