Druckschrift 
7 (1837) Der Christ und die Ewigkeit
Entstehung
Seite
206
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Schon Maria Magdalena hatte ihn am Morgen nichtsogleich erkannt, und ihn im Garten beim Graben für denGärtner gehalten. Dies beweiset, daß Jesus eine ganz andere,als seine gewohnte Bekleidung getragen; nicht mehr die Tracht,in welcher die jüdischen Lehrer öffentlich zu erscheinen pflegten.Seine eigenen Kleider waren ihm schon vor der Kreuzigung ge-raubt; halb nackt war er und mit Blut bedeckt nach Golgathageschleppt; um sein Gewand war von den Kriegsknechten ge-loset worden. Das Linnen, in welches sein Leichnam gehülltgewesen, sah man zusammengewickelt im verlassenen Grabe ge-blieben. Auf diese Weise mußte er durch die ganz ungewöhnlicheTracht, welche er angenommen, sehr unkenntlich werden. Eswar nicht mehr das edle Gewand der Propheten; es war nichtdas Gewand eines Vornehmern und Höhen,, durch welches erhätte die Aufmerksamkeit der Menschen an sich ziehen können,sondern das schlichte und geringe Kleid eines Menschen von nie-drigem Stande, welches er trug. Denn ohnedem würde ihnMaria Magdalena, wenn auch nicht augenblicklich erkannt,doch für keinen Gärtner gehalten haben. Man ersieht daraus,wie bedächtig Jesus nach seinem Auferstehen mied, Aufsehenzu machen und wieder vom Volke bemerkt zu werden. Seingroßes Werk war vollendet, er wollte nichts mehr von derWelt und in der Welt. Jedes neue Geräusch, jeder Aufstandhätte nur die Ruhe, welche er suchte, stören müssen, oder seinenbisher von der öffentlichen Verfolgung verschont gebliebenenJüngern Gefahr bringen können.

Ausser der fremdartigen Bekleidung mochte Jesus selbst inseinen Gesichtszügen wesentliche Veränderungen erlitten haben.Die blühende Farbe einer «geschwächten Gesundheit war vonseinen Wangen verschwunden. So viel Leiden, so viel Wunden,ein solcher Blutverlust hatten ohne Zweifel auf seinem Antlitzdie Blässe des Todes und des Leidens zurückgelassen. Die edleStimme, mit welcher er einst gegen der Pharisäer Stolz unddes Volkes Laster donnerte, mochte leiser und schwächer tönen.So erschien er den Jüngern unter einer ganz andern Gestalt,als diejenige war, in welcher sie ehemals gewohnt gewesen waren,ihn zu sehen, und sich ihn noch immer vorstellten.