verworfen worden wäre, würden alle übrigen Schüler desMeisters ihre Glaubwürdigkeit verloren, und sie damit demEvangelium selbst sehr geschadet haben.
Kennt man aber die Lehre und den Geist Christi, kennt manden reinen Sinn, das heilige Streben der Wahrheit, das treu-herzige, schmucklose Wesen in den Jüngern : wie ließe sich eineder gröbsten Unwahrheiten mit ihrer Denkart vereinigen? —Solche war ihrem Gemüth eben so wenig angemessen, als ihrerKlugheit.
Christus war siegreich den Banden des Todes entronnen,noch einmal ins Reich des irdischen Lebens zurückgekehrt. Diesevon allzuviel damals lebenden Zeitgenossen gekannte und er-fahrene und feierlich bezeugte Thatsache war oft der Annahmeund Glaubwürdigkeit des Evangeliums, als es unter Judenund Heiden gepredigt ward, sehr nachteilig. Oft wollte manvon Leuten, wenn sie ihre Predigt von Jesu damit begannen,nichts mehr weiter hören. Man HÄt sie für Schwärmer,lächelte und ging davon. Menschliche Klugheit hätte weit ehergerathen, der Auferstehung Jesu wenig oder gar nicht zugedenken. Allein es war den Jüngern durchaus nicht um diegewöhnlichen Mittel der Weltklugheit, sondern lediglich umWahrheit zu thun. Und sie konnten und wollten nichts Anderes,als das bezeugen, was sie wußten, dessen Zeuge sie Alle waren,was Alle sagten, Jeder in seiner Art, ohne deswegen mit ein-ander Verabredungen getroffen zu haben. Wozu Verabredungen,da sie nachher in die verschiedensten und entlegensten Weltgegendensich zerstreuten und nachher nicht Alle wieder zusammen kamen?Noch mehr, wenn sie einzeln zusammentrafen, wenn sie viel-leicht in Manchem verschiedener Meinung sein konnten: niemalswaren sie über den Punkt der Auferstehung Jesu getrennterMeinung. Denn dies war geschehen. Sie hatten ihren göttlichenFreund, nachdem er gestorben und begraben war, wieder imLeben gesehen und gesprochen. Erst später hatte er die Welt aufimmer verlassen.
Es war also den Jüngern mühevoller, die Wahrheit glaub-würdig zu machen, als wenn sie die Auferstehung ihres Meisters,