134
Höhe!" (Luk. 19, 37. 38.) Die Pharisäer, welche sich mit imHaufen des Volks befanden, tadelten das Betragen seiner Beiglciter. Meister, sagten sie zu Jesu, strafe doch Deine Jünger!Er antwortete: „Wo diese werden schweigen, so werden dieSteine schreien."
Er selbst riet still und sinnig des Weges fort. Ihn berauschtedie öffentliche Freude nicht ; nicht das Jauchzen der Tausende;nicht die königliche Ehre, die man ihm erwies. Wie konnteihn das erfreuen? Dafür hatte er nicht gearbeitet. Man ehrteihn für das, was er nicht wollte, und dachte nicht an das,was der Zweck seiner göttlichen Sendung eigentlich war. Erkannte die Schwächen seines Volks, und den Wankelmuth derMenge. — Wohl mögen sich Personen ohne Menschenkenntniß,Personen, von der allerthörichtsten Eitelkeit geblendet, sehr anöffentlichen Beifallsbezeugungen ergötzen. Ihre kleinliche Eigen-liebe flüstert ihnen dann dabei zu: „Man läßt jetzt deinenVerdiensten Gerechtigkeit widerfahren! Man erkennt endlichallgemein deinen Werth. Dein Ansehen, dein Ruhm ist nunfür immer gegründet. Rührender, schöner kann sich die Liebeund das Zutrauen der Menschen nicht aussprechen. Es sind nurBöswillige, nur Neider, nur schlechte Leute, die nicht in deinefeierliche Verehrung einstimmen!" — So denken die blödenThoren, und täuschen sich in ihren Einbildungen. Sie erwägennicht, daß die Wenigsten aus reiner Liebe, die Meisten aberaus allerlei eigennütziger Hoffnung, aus Parteigeist, aus Trotzgegen Andere, aus bloßem Muthwillen sogar, mitjubeln. Sieerwägen nicht, daß von Tausenden jeder seine Nebenabsichthat, und sich aus eigenen Vortheilen mehr macht, als ausder Person des Hochgefeierten. Sie erwägen nicht, daß derunbedeutendste widerwärtige Umstand eintreten kann, und dieTausende den vorher Hochgcpriesenen ganz lachend seinemSchicksal überlassen.
Jesus blieb gleichgültig. Er verachtete den Wahn derblindenMenge. So ritt er in edler Demuth hin, und wohlbcwußt,wie sehr man ihn verkenne. — Hier ward weder jener selbst-genügsame Stolz der Thoren g> sehen, welche die Huldigungen