85
gebäudc geführt, wohl 40—50 Fuß tief. Wir funden hier nochMaucrreste von dem alten zerstörten Jerusalem. Auch hattendie Schwestern in dieser Tiefe noch einen Brunnen mit trink-barem Wasser gefunden. Diesen Mittag erlebten wir hier einfurchtbares Gewitter. Vor Tisch besuchten wir noch den Herrnv. Lenk, um für die bevorstehenden Ausflüge nähere Rücksprachezu nehmen. Den Nachmittag besuchten wir den Ort, wo derHerr Seinen Jüngern das „Vater Unser" lehrte; fernerbestiegen wir den Oelbcrg, von wo man einen herrlichen Ucber-blick über Jerusalem und die ganze Umgegend hat, besahen dieHimmelfahrtskirchc, schauten die Stelle, wo Christus vor SeinerHimmelfahrt mit Seinem linken Fuße zuletzt die Erde berührte.Mir war's, als hörte ich die Stimme des Engels: „Er wirdwiederkommen" und das Echo rief: „Wiederkommen, wieder-kommen zum Gericht!" Besuchten den Berg Samuel, wo dieFürsten und Propheten begraben sind; den Frankcnbcrg;Bethanicn, jetzt ein elendes Dorf; die Wohnung der SchwesternMaria und Martha, und das Grab des Lazarus, welches32 Stufen unter der Oberfläche liegt, und dessen Eingang sehrbeschwerlich ist. Von dem Oclbcrgc aus konnten wir sehen den Wegnach dem todten Meere, das todte Meer selbst mit den Gebirgenjenseits dieses MecreS, die Wüste, den Jordan, das Thal Josaphat,den Berg Sion, die Berge bei Bethlehem, den Bach Ccdron j
und den Weg nach St. SabaS, was einen unbeschreiblich tiefen !
Eindruck macht. Von hier aus begaben wir uns zu der Stelle, !
wo die drei weinenden Frauen dem Heiland auf dem Leidens-wege begegneten. Dann gingen wir zum Maricnbrunncn, wowir 30 Stufen hinunter gehen mußten, um znm Wasser zu i
gelangen. Hier holte die heil. Jungfrau Maria das Wasser, j
wenn sie in Jerusalem war. Dann zuletzt zur Quelle Siloah, z
wo der Herr den Blindgcborncn sehend machte. Es waren !
viele Frauen aus Siloah hier, die Wasser schöpften. In derNähe des Dorfes Siloah, welches von Arabern bewohnt wird,soll Judas sich erhängt haben. Da es Abend wurde und um