Wenn die Menschen plötzlich tugendhaft würden, so müßtenviele taufende verhungern.
In einem Stück sind wir allerdings unendlich weit unterden Engländern, und das ist in der Kunst, Avertissements zumachen. Es ist fast unmöglich, sich des Kaufens zu enthalten,auch wenn man weiß, daß es nicht wahr ist. Man meint, manglaubt es nicht, und glaubt es doch. Ich habe oft der Sachenachgedacht, und man wird leicht sehen, worin es liegt. Ummich deutlich zu erklären, will ich nnr ein Beispiel von denQuacksalbern geben. Diese machen eine Beschreibung von derKrankheit, gegen die ihre Arznei gerichtet ist, nicht etwa in all-gemeinen Ausdrücken und kurzwcg, sondern sie wissen, daß derMensch lieber Detail hat. Sie beschreiben daher die Symptomengenau, und was sie sagen, geht oft heim — die große Kunstaller großen Schriftsteller. So erinnere ich mich einer Bekannt-machung eines Mittels gegen Zahnweh, die ungefähr so lautete:„Überall, wo man jetzt hinkommt, hört man Personen überSchmerzen klagen, die sie Zahnschmerzen nennen, sie sind aberganz verschieden. Denn viele Personen, die sich die Zähne habenausziehen lassen, haben sich eher schlimmer darnach befunden.Junge, gesunde Personen sind ihnen am meisten ausgesetzt; sieschlafen wenig, getrauen sich nichts Festes zu essen, aus Furchtden Schmerz zu erwecken, und fallen daher ganz von Fleischund werden elend. Ich muß bekennen, daß, meiner großen undlangen Erfahrung ungeachtet, mich dieses Übel lange getäuscht