Druckschrift 
Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
633
Einzelbild herunterladen
 

6Z3

Titlmann (Johann ?sugust Heinrich

viele Hindernisse in den Weg legte. Eine Zeit lang verweilte er auch in Brüssel,um dort einenOonstitutionnek" zu schreiben; doch gab er diesen Plan bald wiederauf. Überhaupt ist T. unstät, hat vielerlei unternommen, aber wenig fortgesetztund vollendet. Er wurde 1833 in die Acullömie trsngsise ausgenommen und beiseiner feierlichen Antrittsrede von seinem Freunde Jouy mit einer rednerischen Ant-wort begrüßt, worin seine litcrarischen Leistungen sehr lobpreisend auseinander-gesetzt waren Unter T 'S Arbeiten hat seine metrische Übersetzung von Virgil'sLucolicu" den meisten Beifall erhalten. Als Napoleon eine Jury niedergesetzthatte, um über die besten Literaturproducte der letzten 1» Jahre einen Bericht zuerstatten, erkannte sie unter den Übersetzungen aus den alten Sprachen denOoca-ligucs" von T. den Preis zu; auch wurde diese Übersetzung bei dem öffentlichen Un-terrichte gebraucht. Die vierte Auflage davon erschien 1823. Seine Übersetzung derKüsse und Elegien von Johann Serundus (180k) fand weniger Beifall. T.'s bedeu-tendste Arbeiten, die als die Eolleckaneen seiner Vortrage über die lateinische Dicht-kunst am 6o>Iege lle kranca betrachtet werden können, sind seine ,Mulla» surVirgile" (4 Bde., Paris 1825 29 1, ein literarischer Commentar überVirgil's Werke, besonders über die Äneis. Sie zeigen, wie auf den LehrstühlenFrankreichs die Werke des großen lateinischen Dichters behandelt werden. Außereinigen dichterischen Versuchen, zum Theile Gelegenheitsgedichten, sind seine übri-gen Arbeiten politischen Inhalts. Mir seinem Schwiegersöhne Goujon und mitDupont de l'Eure, Manuel, Arnault, Etienne, Pages u. A. unternahm er dieBa-rtes cieils lle ialLrance" und schrieb die Einleitung dazu, die fast den erstenBand ausmacht. Joup hat in der Antwort auf T.'s akademische Antrittsredediese Arbeit als ein Meisterwerk geschildert. Sie ist etwas deklamatorisch, wie diemeisten politischen Schriften T.'s, der sich nie von dem sogenannten Jmperiali-stenstple, wie er unter Napoleon gebräuchlich war, hat frei machen können. Übri-gens gewährt sie eine gute politische Übersicht der Geschichte Frankreichs bis zurRevolutionszeit, und zeigt sehr deutlich, wie dieselbe durch die vorhergehenden Be-gebenheiten vorbereitet wprden war. Sein,,1'röcis o hütoiee sbregö« lles xuer-ros ll« la reeolution trungaise", ist eine Buchhändlerspeculation, um der Na-tionaleitelkeit zu fröbnen. Vielleicht hat T. nichts weiter als seinen Namen da-zu hergegeben. T. ist einer derjenigen Schriftsteller, welche in der Restaurations-zeit am meisten den Bourbons entgegen gearbeitet haben, aber weniger in repu-blikanischem als Napoleon'schem Sinne. (25)

Tittmann (Johann August Heinrich), einer der ausgezeichnetsten unterden Theologen der neuesten Zeit, sowol in Hinsicht seiner philosophischen Auffas-sungsgabe und klarer Darstellungsweise, als auch in Betracht des reichen Schatzesseines vielseitigen Wissens, ward am 1. Aug. 1773 zu Langensalza geboren,wo sein Vater, I)r. Karl Christian, der am 29. Dec. 1820 als Superin-tendent in Dresden starb, damals Diaconus war. 'Seine Mutter, «ine ge-borene Schleußner, durch den Ausbruch eines Feuers in der Nähe ihrer Woh-nung heftig erschreckt, hatte ihn einen Monat zu früh geboren, sodaß man sehrfür sein Aufkommen fürchtete. Indessen erstarkte er immer mehr, zumal inWiltenberg, wohin sein Vater 1775 als Probst und Professor berufen ward.In den Wissenschaften unterwiesen durch tzen noch lebenden Karl Friedrich Hcßler,Pastor zu Gerßdorfbei Leisnig, machtUcrDei seinen glücklichen Anlagen so außer-ordentliche Fortschritte, daß er (chon 17M,'in einem Alter, in welchem dir Mei-sten Derer, die sich den Studien widmen, kaum den ersten wissenschaftlichenGrund gelegt haben, die akademische Laufbahn in Wittenderg betreten konnte,nachdem er schon ein Jahr vorher seinem Oheim eine kleine Schrift:Der VirgMa^omeniw lmitante" (Wittenderg 1787), gewidmet und darin öffentlich einenBeweis seiner Talente gegeben hatte. Entschlossen sich für das akademische Lehr-