Hallen, es singe der Vogel aus den Zweigen sein fröhlichesLied, — immerdar lind überall ist cs die Allmacht der höchstenLiebe, die mir der Mund der Natur verkündet. Wie diesWunderbare alles ward, so weife, so genau berechnet in derBildung des zarten Mooses, wie in der Unermeßlichkeit desGanzen; und wie sich dies Alles so und nicht anders fügte, sound nicht anders kommen darf —- ach! wie gern möchte ich esergründen! — Aber wer mag cs erforschen? — Ich ver-stumme. Ich bete an. Es bleibt meinem Geiste nur der eineGedanke: bei Gott ist kein Ding unmöglich! (Luk. 1, 37.)
Vorzüglich erstaunenswürdig erscheint mir oft der wunder-bare Zusammenhang alles Erschaffenen. Nichts kann daftehen,nichts vorhanden sein, ohne Einwirkung der gesummten Schö-pfung im Großen. Selbst die Blume, welche du an deinen'Busen steckst, würde nicht in deinem engen Gartenbeete, nichtzwischen dem Grase des Feloes geblüht haben, ohne den Ein-klang der entferntesten Welten. — Wie wenige Menschen ahnenLies! In ihrer Vorstellung ist der Kreis aller Kräfte auf einengeringen Umfang beschränkt. Was auf Erden geschieht, glaubensie, sei auf Erden bewirkt. Jene zahllosen Woltkörper, siimmt-lich weit größer als unser Erdball, die aber aus den Tiefen desHimmels nur als Gestirne schimmern, scheinen ihnen höchstensnur zu einer Verschönerung der Nacht da zu sein.
Nein, sie haben höhere Bestimmungen. Unsere Erde ist keinselbstständiger/ besonderer Theil des Weltalls, sondern innigverknüpft mit dem^Ganzen, und das Ganze mit uns. Das Allder Gottesschöpfungen ist nur ein ungeheures Eins, und inund mit und auf und durch einander wirkend. Im ganzen Welt-gebäude ist nichts Getrenntes; Alles ist ein und dasselbeLeben, Alles ein und dasselbe Wesen. Ja, Sterblicher,erinnere dich oft daran, das Kleinste wie das Größte, was duauf Erden findest, ist mit den entferntesten Weltkörpern ver-bunden und eins. Das Brod, welches du speisest, das Wasser,welches deinen Durst löscht, die Art deiner Bekleidung, deinesVolkes Gebräuche und Beschäftigungen, deines Landes Sprache,das kleinste Haar deines Hauptes, wie es erwachset und ergrauet—