Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
142
Einzelbild herunterladen
 

142

ligion aller Welttheile und aller vernünftigen Wesen sein. Siebeseligt durch das Gebot der Liebe, und befördert daher dieallgemeinste Freundschaft und Glückseligkeit; ja, durch Erhebungdes Geistes über das Vergängliche gibt sie selbst Trost im Un-glück, und Erhabenheit über alle Schicksale. Sie verbindetden Geist nicht nur fester mit Gott, sondern macht ihn selbstnoch göttlicher.

An ihren beseligenden Früchten erkenne ich also, daß dieReligion Jesu die beste sei, und daher für die gesammte Mensch-heit geeignet. Sic kann die Religion der Weisesten und Ge-lehrtesten, wie die des Kindes sein, und ist es wirklich. Siekann die Religion der kältesten Erdgegcnden, wie der heißestenLänder sein, und ist es wirklich. Jesus Christus entwickelte denheiligen Urkeim aller Religionen in der herrlichen Voll-endung und Uebereinstimmung mit dem Weltganzen. Er offen-barte die Gottheit in ihrer unendlichen Majestät, als den Vaterder Menschen; den Menschen daher ihre Pflichten als Kinderzu Gott, als Brüder zu sich selber; die Ewigkeit als Vergelterindes Guten und Bösen; sich selber aber als Bruder der Menschen,als Sohn Gottes, von Gott gesandt, die in Jrrthum, Sündeund Elend versunkene Menschheit zu ihrer Würde wieder empor-zurichten und zu Gott zurückzuführen. Dies war der Glaube,die Liebe, die Hoffnung, welche er dem Geschlecht der iSterblichen gab; dies ist das Einzige, Unveränderliche, Ewigeund Wahre, was allen, auch den mißgestaltetsten Neligions- ^arten immer tief zum Grunde liegt, und ohne welches sieeigentlich keine Religionen wären. Daher ist auch der vomWeltheiland geoffenbarte Glaube keine Religionsart,sondern die Rcliglon in ihrem Urwescn selberdas von Gott in den Geist der Menschheit Gelegte! Daherkann auch nur der Religion Jesu Göttlichkeit und wahr-haft göttlicher Ursprung zugeschrieben werden, aber keiner /andern Religionsart. !

Alles Uebrigc, was nicht Jesus umnittelbar in den von Iihm geoffenbartcn Glauben, in die von ihm mitgetheilteHoffnung gegeben, ist Zusatz späterer Lehrer und Völker.