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Heiken, und geben dem, der sie angenommen, mehr den heuch-lerischen Schein, als das Wesen wahrer Frömmigkeit —sonderner strebt durch seinen Fleiß in der Arbeit, durch seine Wohl-thätigkeit im Betragen gegen Andere, durch alle Tugenden derLiebe und Menschenfreundlichkeit, zu beweisen, wie sehr es ihmErnst ist, Gott ein erkenntliches Herz zu weihen.
Es ist bei der Beschränktheit unsers Geistes, der zu einerleiZeit nur Eins im Auge haben kann, unmöglich, fortdauerndund bei allen Geschäften nur an Gott zu denken. Aber wohlkönnen wir Grundsätze und Handlungsweisen uns zu eigenmachen, die uns bei Allem, was wir thun, vor dem Gemüthestehen. So können wir es dahin bringen, daß wir am Mittage,wo wir in der Mitte unserer ganzen Wirksamkeit, in der Mitteunserer Geschäfte stehen, auf die Arbeiten und Begebenheitendes vergangenen Morgens einen, wenn auch nur flüchtigen,Blick senden; daß wir uns befragen: „Habe ich alle meinePflichten gewissenhaft vollstreckt? Habe ich mich von keiner un-reinen Begierde zu unerlaubten Handlungen und Gesinnungenverführen lassen, die ich zu bereuen Ursache hätte? Habe ichheute schon irgend einem Menschen Freude gemacht, für die ermich segnen könnte? Wohl denn, was ich in der ersten Hälftedes Tages nicht gethan oder zu thun Gelegenheit fand, das willich in der zweiten Hälfte vollbringen. Dieser Tag soll in meinemLebenslauf keiner der schlechtesten sein, noch weniger ein Tag,der einst gegen mich zeugen könnte!"
Allerdings sind wir fähig, jeden Mittag eine solche augen-blickliche Ueberlegung anzustellen. Selbst bei unfern Geschäftennoch finden wir Zeit dazu. Und eben darum ist sie wahrhaftPflicht für uns. Denn wenn wir uns zu solcher Denk- undHandlungsweise mitten im Drange unserer Tagesgeschäfte ge-wöhnen, erwerben wir dadurch ein köstliches Gut, welches nichtmit Gold aufzuwiegen ist; ein Gut, welches uns vor manchemunvorhergesehenen Uebel bewahren kann; ein Gut, welches diebeste und sicherste Schutzwehr unsers innern Friedens undGlückes wird — und dies Gut ist Besonnenheit in Wortenund Werken.